Soldatinnen und Soldaten in Uniform dürfen ab Januar 2020 kostenlos mit der Deutschen Bahn fahren. Das Angebot gelte für private und dienstliche Fahrten im Fern- und Regionalverkehr, teilten sowohl die Bundesregierung als auch die Bahn mit. Angehörige der Bundeswehr sollen ihre Fahrten künftig über ein eigenes Buchungsportal wählen und ein Ticket für die zweite Klasse lösen können. Die Bahn bekomme von der Bundeswehr eine pauschale Vergütung, deren Höhe regelmäßig evaluiert werde. Laut Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) handelt es sich "voraussichtlich" um rund vier Millionen Euro im Jahr.

Für diese Lösung hatten sich Vertreter der Bahn, des Verteidigungs- und des Verkehrsministeriums, des Innenressorts und der CSU-Landesgruppe zu mehreren Spitzengesprächen getroffen. Am Freitag war aus Koalitionskreisen bereits eine Grundsatzeinigung bekannt geworden. Das Vorhaben wurde seit Längerem von Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und CSU-Landesgruppenchef Alexander Dobrindt vorangetrieben. Kramp-Karrenbauer griff die Forderung nach ihrem Amtsantritt als Verteidigungsministerin auf.

Ein Ausdruck von "Respekt und Dank"

"Die Bundeswehr wird damit sichtbarer in unserer Gesellschaft. Das ist ein gutes Zeichen", erklärte Kramp-Karrenbauer. Die Bundeswehrsoldaten verdienten "Respekt und Dank". Dass sie künftig kostenlos Bahn fahren dürfen, sei "ein handfester Ausdruck dessen". Scheuer nannte die kostenlosen Fahrten ein "Herzensanliegen", mit dem die Leistung der Soldaten anerkannt werde.

Dobrindt bezeichnete die Gratistickets ebenfalls als einen Beitrag für die Sichtbarkeit der Soldaten in der Gesellschaft. "Übrigens geht dies auch einher mit einem stärkeren Sicherheitsgefühl der Bürgerinnen und Bürger", sagte er am Samstag nach Gesprächen im Verteidigungsministerium. "Soldaten in Uniform in unseren Zügen schaffen mehr Sicherheit."

Auch Bahnchef Richard Lutz sprach von einem "starken Zeichen der Wertschätzung" für die Soldaten. Eine Einigung habe der Bahn am Herzen gelegen – dazu hätten allerdings in den vergangenen Wochen "einige logistische und technische Details geklärt und aus dem Weg geräumt" werden müssen. Noch am vergangenen Wochenende waren Unstimmigkeiten zwischen der Bahn und dem Verteidigungsministerium bekannt geworden. Unter anderem wollte das Unternehmen die Soldatinnen und Soldaten nur in wenig ausgelasteten Zügen fahren lassen. 

Kritik der privaten Bahnunternehmen

Das kostenlose Angebot für die Soldatinnen und Soldaten gilt für die zweite Klasse im Fern- und Regionalverkehr, ein Upgrade für die erste Klasse kann kostenpflichtig dazugebucht werden. Gemeint sind ausschließlich aktive Soldaten, also keine Reservisten, wie eine Bahnsprecherin betonte. Und es können nur Züge der Deutschen Bahn genutzt werden. Mit den privaten Bahnunternehmen sollen noch Gespräche geführt werden. "Ziel ist, eine bundesweite Ausweitung auf den gesamten Regionalverkehr zu erreichen", sagte die Sprecherin. 

Von den privaten Bahnen kam Kritik: "Vier Millionen Euro für unbegrenzte Freifahrten für alle Soldaten für ein ganzes Jahr im gesamten Netz der DB Unternehmen – das ist kein angemessener Gegenwert. Das sind 22 Euro pro Soldat und Jahr", rechnete Christian Schreyer, Präsident von mofair, dem Verband der Wettbewerbsbahnen im Schienenpersonenverkehr, vor. Es müsse eine Lösung für alle Bahnbetriebe und einen "angemessenen Ausgleich" für die Fahrten geben.