Die AfD hat die Suspendierung des Kommandeurs des Zentrums Innere Führung (Koblenz), Generalmajor Reinhardt Zudrop, verlangt. In einem ZEIT ONLINE vorliegenden Brief an Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) schreibt der Verteidigungspolitiker Rüdiger Lucassen, der Offizier habe die AfD "vor versammelter Mannschaft" sinngemäß als keine "von Soldaten wählbare Partei" bezeichnet. Der Generalmajor wird in Lucassens Brief auch mit der Begründung zitiert, es gebe "in der AfD Rechtsextremisten".

Lucassens Beschwerde bei der Ministerin fußt auf einer schriftlichen Petition eines in dem Brief namentlich genannten Mannes beim Wehrbeauftragten. Dieser verweist in seiner ZEIT ONLINE vorliegenden Mail darauf, dass der Generalmajor "schon aufgrund der immensen Anzahl an Zeugen, die bei dem Vorfall anwesend waren", den Sachverhalt "sicherlich ohne Weiteres einräumen" werde. "Ansonsten genügt auch die Befragung einer Handvoll Dienstgrade des Stammpersonals."

Lucassen begründet seine Forderung nach Suspendierung, Zudrop habe damit gegen das im Soldatengesetz verankerte Verbot der politischen Betätigung im Dienst verstoßen. Der verantwortliche Repräsentant der Bundeswehr für die Innere Führung habe "die Grundsätze der freiheitlich-demokratischen Grundordnung in schwerwiegender Form verletzt, ja geradezu konterkariert". Ein Soldat, der "seine Kommandogewalt zum Zwecke der parteipolitischen Auseinandersetzung missbraucht", sei als Vorgesetzter fehl am Platz. 

Das Soldatengesetz schreibt vor, dass der Soldat sich im Dienst "nicht zu Gunsten oder zu Ungunsten einer bestimmten politischen Richtung betätigen" darf. Für Beamte gilt im Dienst ein Mäßigungsgebot.

Das Verteidigungsministerium teilte mit, der Brief Lucassens sei eingegangen und werde wie jedes Schreiben geprüft. Das Büro des Wehrbeauftragten äußerte sich nicht.

Lucassen erläuterte auch den Informationsfluss: Die Petition des Mannes sei bei der AfD eingegangen, weil der Absender seine E-Mail am 12. August neben dem Wehrbeauftragten auch der AfD schickte.

Im Juni hatte der CDU-Politiker Friedrich Merz vor einer Unterwanderung der Bundeswehr vor rechten Kräften gewarnt. Ähnliches war aus den Polizeigewerkschaften zu hören

Bundeskanzlerin Angela Merkel hingegen hatte damals widersprochen. "Die überwiegende Mehrzahl unserer Polizistinnen und Polizisten und Soldaten tut diesem Staat einen guten Dienst", sagte sie bei einer Regierungsbefragung. Gegen vereinzelte rechtsextreme Tendenzen aber "müssen wir klar und hart vorgehen." 

Joachim Wundrak, Generalleutnant a. D. und bis Herbst 2018 Kommandeur des Zentrums Luftoperationen der Luftwaffe in Kalkar, will im Oktober als erster Drei-Sterne-General für die AfD bei der Oberbürgermeisterwahl in Hannover antreten. Brigadegeneral a. D. Klaus Wittmann kritisierte dies in einem offenen Brief, über den die Frankfurter Allgemeine Zeitung berichtet hatte.