Die Bundesvorsitzende der Linkspartei, Katja Kipping, verlangt den Rücktritt des Ostbeauftragten der Bundesregierung, Christian Hirte (CDU). Kipping sagte, sie sehe ihre Partei durch Hirte zu Unrecht beschuldigt. 

Der CDU-Politiker hatte im Business Insider die PDS, die Vorgängerpartei der Linken, für die hohen Wahlerfolge der AfD im Osten Deutschlands mitverantwortlich gemacht. "Man könnte sagen, dass die PDS-Linke gesellschaftlich gesät hat, was heute die AfD erntet." Die PDS habe über Jahre und Jahrzehnte Unterschiede und angebliche Benachteiligungen betont. Kritik an sozialer Ungerechtigkeit und die Forderung nach mehr Gerechtigkeit an den Staat gehören zum Programm der Linken.

Kipping äußerte den Vorwurf, Hirte habe offenbar ein "absolutes Desinteresse an der Gemütslage und der Situation im Osten". Wer "ein solches Maß an Ignoranz" gegenüber dem Osten an den Tag lege, "ist allenfalls die Karikatur eines Ostbeauftragten".

Studien zeigen, dass es in Ostdeutschland weit weniger Vermögen gibt, die Tariflöhne sind niedriger, die Abwanderung junger Menschen hat die Demografie verschoben. Viele Ostdeutsche sehen sich von der westdeutsch dominierten Führung in Politik und Wirtschaft benachteiligt.

AfD profitiere von "Demütigungserfahrungen"

Kipping sagte, die "Demütigungserfahrungen der Nachwendezeit" und "30 Jahre Marktradikalismus" hätten dem Rechtsruck und damit den Erfolgen der AfD den Boden bereitet. Viele Menschen im Osten hätten damals Demütigungen verdrängt und zum Teil vor der Familie und vor sich selbst verborgen. "Nun, 30 Jahre später, kommen die verdrängten Traumata wieder hoch – nicht selten in destruktiver Form."

Hirte hatte schon früher einmal für Kontroversen gesorgt: In der Diskussion um den Umgang mit dem früheren Verfassungsschutzpräsidenten Hans-Georg Maaßen etwa ergriff der Ostbeauftragte indirekt Partei für den ehemaligen Spitzenbeamten. Zugleich kritisierte er die eigene Partei, sie solle sich für ein breites Meinungsspektrum offen halten. Die CDU habe es nicht vermocht, die Stimmungslage der Bürger aufzugreifen und zu zeigen, dass sie deren Interessen im Blick habe, sagte Hirte.