Die beiden Spitzenkandidaten, gerade riesig auf Plakate gedruckt, werden zwar auf der Straße immer noch nicht erkannt. Aber: "Die aktuelle Lage gibt uns einen Riesenauftrieb", sagt Katja Meier. Bei der Europawahl erzielten die Grünen in Sachsen mit gut zehn Prozent ihr bisher bestes Ergebnis. Bei der Landtagswahl wollen sie "noch eine Schippe drauflegen", wie Meier sagt. Die Grünen erhoffen sich Zuwächse in der Provinz und noch mehr in den Großstädten. In fünf Dresdner Wahlbezirken, so die interne Analyse, könnte sogar ein Direktmandat für die jeweilige Grünen-Kandidatin oder den Kandidaten drin sein.

Politisch hat es die Partei gerade auch nicht allzu schwer: In Sachsen sitzen die Grünen in der Opposition, können also viel fordern. In ihrem Wahlprogramm stehen Positionen, die man in einem konservativ geprägten Bundesland, mitsamt großem Braunkohlerevier in einer ansonsten strukturschwachen Gegend, erst mal durchsetzen muss: Sachsen soll vor 2038 aus der Braunkohleverstromung aussteigen, fordern die Grünen. Der Freistaat soll ausschließlich den Ausbau erneuerbarer Energien fördern und sich für die Einführung einer CO2-Steuer einsetzen. Für Führungspositionen in sächsischen Landesbehörden soll eine gesetzliche Frauenquote gelten.

Die politische Großwetterlage treibt den Grünen außerdem Wählerinnen und Wähler zu. Vor allem zwei Punkte höre sie immer wieder, sagt Meier. Die Umweltsorgen seien größer geworden, verstärkt durch den zweiten heißen Sommer in Folge. "Viele bekommen die Auswirkungen des Klimawandels in ihrem Leben deutlich zu spüren." Die Grünen würden außerdem als Bollwerk gegen die AfD verstanden, die im Freistaat laut Umfragen mindestens mit einem starken Ergebnis rechnen kann, vielleicht sogar mit einem Sieg.

Auch die CDU ist Gegner der Grünen

Doch auch an der sächsischen CDU, seit jeher ein Lieblingsfeindbild der Grünen, arbeitet sich die Partei ab. Katja Meier wird schnell lauter bei diesem Thema. Kommentare des CDU-Ministerpräsidenten Michael Kretschmer regen sie auf. "Die Union muss sich gegen die politische Hysterie stemmen, die um sich greift", hatte Kretschmer unlängst in einem Interview gesagt. "Die einen tun so, als würde Deutschland morgen wegen des Klimawandels untergehen, die anderen beschwören den Untergang des Abendlandes. Beides ist übertrieben. Dieser Sog tut Deutschland nicht gut." Von anderen CDUlern hört man Ähnliches. "Wer die Sorgen um das Klima und Fremdenhass gleichsetzt, disqualifiziert sich selbst", findet Katja Meier. "Bei uns wissen die Menschen, welche Haltung wir haben. Bei der CDU bleibt das völlig unklar."

Ob die Grünen bei der Landtagswahl wirklich stärker werden, darauf wollen sie keine Wetten abschließen. Aber wenn es gut für sie läuft, könnte sich die Partei ausgerechnet in Koalitionsgesprächen mit der CDU wiederfinden. Bei der letzten Landtagswahl 2014 gab es schon einmal diese Situation: CDU und Grüne haben damals gemeinsam sondiert. Doch die Gespräche scheiterten, auch an verschiedenen Positionen zum Kohleausstieg. Die Grünen waren für einen baldigen Ausstieg, die CDU setzte weiter auf die Kohle.

Inzwischen gibt es einen Kompromiss über den Kohleausstieg, das könnte mögliche Sondierungen erleichtern. Nur mit der schwachen SPD wird die sächsische CDU nicht weiterregieren können, sie braucht weitere Partner. Lust auf Macht haben die sächsischen Grünen jedenfalls. Das hört man von vielen Mitgliedern – und ein deutliches "Aber" dazu. "Wir können uns eine Regierungsbeteiligung vorstellen, aber nicht um jeden Preis", sagt Spitzenkandidatin Katja Meier. "Nur, wenn sich die CDU bei für uns entscheidenden Themen bewegt. Ganz vorn dabei: klare Regelungen zum Kohleausstieg, Förderung von alternativen Verkehrskonzepten und eine deutliche Haltung gegen Rechtsextremismus."