Die weltweiten CO2-Emissionen steigen weiter – obwohl bekannt ist, dass die Veränderung des Klimas auf der Welt in den nächsten Jahrzehnten gefährliche Ausmaße annehmen und für noch mehr Menschen lebensbedrohlich werden wird. Entsprechend fordern viele Politikerinnen und Klimaschützer seit Längerem ein Verbot von unnötigen Reisen mit dem Flugzeug. Bisher setzt die Politik aber noch auf den freiwilligen Verzicht.

Ungeachtet dieser Debatte sollen Bundestagsabgeordnete im Jahr 2018 zusammengerechnet größere Strecken per Flugzeug zurückgelegt haben als noch im Jahr zuvor. Das berichten mehrere Zeitungen der Funke-Mediengruppe, darunter die Westdeutsche Allgemeine Zeitung (WAZ) und das Hamburger Abendblatt, unter Berufung auf die Bundestagsverwaltung.

Den Berichten zufolge flogen die Abgeordneten im Jahr 2018 bei ihrer Tätigkeit als Politikerinnen und Politiker insgesamt 9,075 Millionen Meilen (etwa 14,6 Millionen Kilometer). 2017 waren es noch 7,43 Millionen Meilen (11,9 Millionen Kilometer). Umgerechnet auf die 709 Parlamentarierinnen und Parlamentarier waren das im vergangenen Jahr im Durchschnitt 13.000 Meilen pro Person, was etwa einem Flug nach Singapur und zurück entspricht.

Bei einer Flugreise gelangen vergleichsweise große Mengen des Treibhausgases Kohlenstoffdioxid (CO2) in die Atmosphäre, die sich nachweislich aufgrund der global steigenden CO2-Emissionen aus Industrie, Verkehr und Landwirtschaft weiter erwärmt. Infolge dieses maßgeblich vom Menschen verursachten Temperaturanstiegs auf der Erde hat sich die globale Durchschnittstemperatur im Vergleich zur vorindustriellen Zeit bereits um ein Grad erhöht. Schon bei einem Anstieg um ein weiteres halbes Grad Celsius rechnen Klimaforscherinnen und -forscher mit unumkehrbaren und für viele Menschen lebensgefährlichen Klimaveränderungen.

Wie viel CO2 während eines Fluges freigesetzt wird, lässt sich unter anderem auf der Website der Nichtregierungsorganisation Atmosfair berechnen. Die NGO setzt sich für den Klimaschutz ein und verwendet Spenden zur Kompensation von Flugreisen für Projekte zum weltweiten Aufbau erneuerbarer Energien. Nach Berechnungen von Atmosfair haben die Flugreisen der Abgeordneten im Jahr 2018 insgesamt einen Ausstoß von 4.000 Tonnen Kohlenstoffdioxid verursacht.

Anteil der Inlandsflüge nicht einzeln erfasst

Zur Tätigkeit von Bundestagsabgeordneten gehört es, sich auch im Ausland über Ideen und Entwicklungen im eigenen Fachbereich zu informieren. So besuchten Mitglieder des Verteidigungsausschusses 2018 zum Beispiel Bundeswehrsoldaten im Kosovo. In die Flugmeilenstatistik der Bundestagsverwaltung fallen dem Bericht zufolge auch Flüge der Abgeordneten in ihren Wahlkreis und zurück.

Welchen Anteil solche Inlandsflüge am gesamten Flugreiseaufkommen der Politikerinnen und Politiker haben, war von der Verwaltung nicht zu erfahren. Gerade solche Inlandsflüge sind angesichts der Klimaschäden durch CO2-Emissionen aber hoch umstritten, da sie relativ leicht durch weniger schädliche Transportmittel, etwa die Bahn, ersetzbar wären.

Unterschieden wird in der Statistik des Bundestages nach Flügen, die die Abgeordneten im Rahmen von Delegationsreisen unternahmen, und solchen, die sie auf eigene Initiative buchten und beim Bundestag abrechneten.

In unserem Klimawandelschwerpunkt lesen Sie mehr zur zunehmenden Erwärmung der Erde und den heute schon spürbaren Folgen der durch den Menschen verursachten Klimaveränderungen.