Führende Außenpolitiker von FDP und Grünen werfen Außenminister Heiko Maas (SPD) vor, seiner Aufgabe nicht gewachsen zu sein. Maas sei "immer noch auf der Suche nach seiner Rolle für dieses Amt", kritisierte ihn der grüne Außenpolitiker Jürgen Trittin im Spiegel. "Unter ihm ist die Außen- zur Aussitzpolitik geworden."

FDP-Fraktionsvize Alexander Graf Lambsdorff wirft Maas vor, am Gängelband der SPD zu hängen. Dem Spiegel sagte er: "Ihm wird jeder Bewegungsraum zugeschüttet von einer Partei, die durch eine Phase der Selbstfindung geht und dabei die Linkspartei außenpolitisch kopiert." Der Außenminister flüchte sich, so Lambsdorff, in Metathemen wie die Rechte der Frauen weltweit. "Das ist nicht falsch, aber ich erwarte von einem Außenminister, dass er in internationalen Krisen versucht zu deeskalieren. Doch die SPD macht ihm das unmöglich."

Martin Schulz verlangt "führende Rolle"

Der außenpolitische Sprecher der Grünenbundestagsfraktion Omid Nouripour erinnert daran, dass Maas' Vorgänger Frank-Walter Steinmeier im Auswärtigen Amt einen Reformprozess angestoßen habe, um die deutsche Außenpolitik "schneller, entschiedener und substanzieller" zu machen. "Unter Heiko Maas ist sie eher lavierender, unklarer und lustloser geworden", kritisierte Nouripour ebenfalls in dem Magazin.

Auch der ehemalige SPD-Vorsitzende Martin Schulz übt im Spiegel indirekt Kritik am ­Außenminister. "In einer Zeit der internationalen Spannungen, der Gefahr einer erneuten Rüstungsspirale und insbesondere im Lichte des Brexits und der Attacken der extremen Rechten auf Europa muss die SPD eine führende Rolle in der deutschen Außen- und Europa­politik haben."