Hundert Tage nachdem die Stadt Konstanz den Klimanotstands ausgerufen hatte, haben sich bundesweit inzwischen Dutzende Städte angeschlossen. Sie haben zum Teil weitreichende Maßnahmen zum Umweltschutz beschlossen. Dazu zählen etwa der Umbau von Autospuren zu Radwegen, höhere Parkgebühren in Innenstädten, klimaneutrale Gebäude sowie mehr Solaranlagen und das Pflanzen zusätzlicher Bäume. In einigen Kommunen, die den Klimanotstand erklärt haben, stehen Entscheidungen über konkrete Maßnahmen aber noch aus.

Als konkrete Konsequenz aus dem Notstandsbeschluss habe Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt Kiel etwa die Mittel für Radwege deutlich aufgestockt, sagte Stadträtin Doris Grondke. Es sei auch vorgesehen, weitere Autofahrspuren den Radfahrern zu überlassen. Zudem sollen mehr Dächer städtischer Gebäude Solaranlagen bekommen, das Dauerparken von Autos in der Innenstadt unattraktiver werden und die Mittel zum Austausch von Beleuchtungen hin zu LED steigen. In der Stadtverwaltung sollen außerdem E-Fahrzeuge obligatorisch werden. Mehr Carsharing und Diensträder gehörten ebenfalls zu dem Konzept. Laut Grondke sind für das Programm etwa 100 Millionen Euro eingeplant. 

In Landau will der Gemeinderat als erste Stadt in Rheinland-Pfalz am kommenden Mittwoch den Klimanotstand ausrufen. Dort sollen unter anderem die Fahrradinfrastruktur und das ÖPNV-Angebot ausgebaut sowie 500 Bäume gepflanzt werden. Bei Neubauten wie Garagen und Carports soll das Begrünen der Dächer verpflichtend sein.

In der Millionenstadt Köln wurde der Klimanotstand vor einem Monat ausgerufen. Konkrete Beschlüsse gibt es, auch aufgrund der parlamentarischen Sommerpause, noch nicht. Ähnlich ist die Lage in Saarbrücken und Wiesbaden. Festgelegt wurde in Köln, dass künftig bei relevanten Entscheidungen geprüft werden soll, inwieweit die Maßnahmen oder Projekte Auswirkungen auf die Nachhaltigkeit und den Klimaschutz hätten. Oberbürgermeisterin Henriette Reker (parteilos) hatte im Juli gesagt, wichtig sei, dass etwas geschehe und es nicht bei Symbolpolitik bleibe. Auch in Düsseldorf beschloss der Rat im Juli das Ziel, statt 2050 schon im Jahr 2035 klimaneutral zu werden. Die Verwaltung soll dazu nach Angaben des Umweltamtes bis November ein Konzept vorlegen.

In Konstanz, dem Vorreiter bei der Ausrufung des Klimanotstands, werden klimarelevante Maßnahmen von einer Taskforce koordiniert – von der klimaneutralen Energieversorgung von Gebäuden über Mobilität bis zur Entsorgung. Erwogen werde ein Testlauf für einen kostenlosen Busverkehr an Samstagen sowie die Einführung von Prämien (etwa ein ÖPNV- Ticket) für Bürger, die ihr Auto endgültig abmelden, sagt Stadtsprecherin Anja Fuchs.

Konstanz hatte am 2. Mai als erste deutsche Kommune den Klimanotstand ausgerufen. Die Anregung dazu kam von der lokalen Gruppe der Klimaschutzbewegung Fridays for Future. Inzwischen sind viele Städte dem Konstanzer Beispiel gefolgt, darunter Köln, Kiel, Saarbrücken, Bochum, Karlsruhe sowie Gelsenkirchen, Bielefeld, Düsseldorf und Münster.