Die Fraktionschefin der Grünen, Katrin Göring-Eckardt, hat eine Umstrukturierung der Waldlandschaft in Deutschland gefordert. Die Bundesregierung müsse die Länder im Kampf gegen das Waldsterben unterstützen. "Sie muss den Waldumbau mit einem Waldzukunftsfonds in Höhe von einer Milliarde Euro in den nächsten zehn Jahren unterstützen", sagte Göring-Eckardt der Rheinischen Post.

Zudem brauche es auch eine "Urwald-Offensive" in Deutschland. "Fünf Prozent der Waldfläche wollen wir der Natur überlassen, sodass dort Natur wieder Natur sein kann, ohne menschliche Eingriffe", sagte Göring Eckardt. Der Bund solle in Wäldern vorangehen, die ihm selbst gehörten und dazu Nadel- in Misch- und Naturwälder umwandeln.

"Unser Wald ist massiv geschädigt", sagte Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) der Rheinischen Post. Noch im August werde sie ein Fachgespräch mit Vertretern der Wald-, Holzwirtschafts- und Umweltverbände und der Wissenschaft führen. "Es geht nicht nur um Investitionen in Millionenhöhe für Aufforstungen. Sondern auch um die langfristige Anpassung der Wälder an den Klimawandel."

Anfang Juli hatte Klöckner das "Mehrere-Millionen-Bäume-Programm" gefordert. Ein Aufforstungsprogramm, das geschätzt mehr als eine halbe Milliarde Euro kosten wird. Geld, das aus dem Energie- und Klimafonds fließen soll. Für September will sie zudem einen nationalen Waldgipfel einberufen. Die Forstminister der Union wollen am Donnerstag mit Klöckner darüber beraten, wie dem deutschen Wald geholfen werden kann.

Es fehlen mehr als 200 Liter Regen pro Quadratmeter

Deutschland ist etwa zu einem Drittel bewaldet. 11,4 Millionen Hektar Wald gibt es, gut die Hälfte ist laut aktueller Bundeswaldinventur Privateigentum. Der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald zufolge fehlen wegen der Dürresommer 2018 und 2019 im Schnitt mehr als 200 Liter pro Quadratmeter Regen im Jahr. Vor allem die Wälder im Osten würden vertrocknen, hieß es.

Der Bund Deutscher Forstleute (BDF) sieht dem Wald gar vor dem Kollaps. "Der Wald ist der Klimaretter schlechthin, aber aktuell ist der Wald selbst Opfer der Klimakatastrophe", heißt es in einer Mitteilung. Der BDF fordert einen "nationalen Waldgipfel auf höchster Ebene" und eine "auskömmliche Finanzierung der Aufräumarbeiten im Wald". Auch die Forschungsarbeit müsse vertieft werden.

Es müsse großflächig aufgeforstet und parallel eine waldfreundliche Bejagung entwickelt werden, sagt der Bund für Umwelt und Naturschutz. Die Jagd müsse so gestaltet sein, dass eine erfolgreiche natürliche Verjüngung und Wiederaufforstung möglich sei. Für eine gute und sichere Zukunft sei auch mehr Forstpersonal nötig.