Internationale Handelskonflikte und die Abkühlung der Weltkonjunktur wirken sich auf die exportorientierte deutsche Wirtschaft aus. Das Bruttoinlandsprodukt (BIP) schrumpfte um 0,1 Prozent gegenüber dem Vorquartal, wie das Statistische Bundesamt anhand vorläufiger Daten mitteilte. Zum Jahresanfang war die Wirtschaftsleistung noch um 0,4 Prozent gewachsen.

Gebremst wurde die Entwicklung den Angaben zufolge vom Außenhandel. Die Exporte von Waren und Dienstleistungen sanken im Vergleich zum Vorquartal stärker als die Importe. Die privaten Konsumausgaben stiegen dagegen, die Unternehmen investierten mehr. Die Bauinvestitionen waren allerdings nach einem kräftigen Anstieg zum Jahresbeginn wegen des vergleichsweise milden Winters rückläufig.

Vor allem die Kauffreude der Verbraucherinnen und Verbraucher stützt die deutsche Wirtschaft. Die Menschen sind angesichts niedriger Arbeitslosigkeit in Konsumlaune. Zudem wirft Sparen wegen der Zinsflaute kaum mehr etwas ab. 

Peter Altmaier will Unternehmen entlasten

Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier hat alarmiert auf das schrumpfende BIP reagiert. "Die aktuellen Zahlen sind ein Weckruf und ein Warnsignal", sagte der CDU-Politiker der Bild-Zeitung laut Vorabbericht. Viele Ökonominnen und Ökonomen rechnen auch für das laufende Sommerquartal mit einem Minus. Das wäre dann eine technische Rezession.

"Die können wir verhindern, wenn wir die richtigen Maßnahmen ergreifen", sagte Altmaier. Dazu zählten Entlastungen der Unternehmen, insbesondere des Mittelstands. Entlastungen bei der Körperschaftssteuer und ein "klarer Fahrplan" für die vollständige Abschaffung des Soli in der kommenden Legislatur seien notwendig. Zudem brauche es Investitionen in die Digitalisierung und Zukunftstechnologien.

Handelskonflikte und Brexit belasten deutsche Industrie

Zuletzt wurden die Verbraucherinnen und Verbraucher nach Angaben der GfK-Konsumforschung beim Geldausgeben allerdings vorsichtiger. Meldungen über Personalabbau und die Einführung von Kurzarbeit ließen die Angst vor Jobverlust wachsen, sagte GfK-Konsumklimaexperte Rolf Bürkl jüngst.

Die Abkühlung der Weltwirtschaft, die Unsicherheiten wegen des Handelskonflikts zwischen den USA und China sowie die Unwägbarkeiten des Brexits belasten die deutsche Industrie. Hinzu kommt der Strukturwandel in der Autoindustrie durch die Elektromobilität.

"Natürlich beeinträchtigen Handelsstreitigkeiten, der Brexit und die digitale Transformation die Exporttätigkeit. Der wesentliche Grund für die drohende Rezession liegt aber in der falschen Prioritätensetzung der Bundesregierung", sagte der Präsident des Bundesverbandes mittelständischer Wirtschaft (BVMW), Mario Ohoven.

Angela Merkel sieht keinen besonderen Handelsbedarf

Die für das dritte Quartal erhoffte Konjunkturerholung steht nach zuletzt eher schwachen Daten Ökonomen zufolge zunehmend infrage. "Deutschlands Konjunktur steht auf der Kippe", sagte Sebastian Dullien, wissenschaftlicher Direktor des Instituts für Makroökonomie und Konjunkturforschung der gewerkschaftlichen Hans-Böckler-Stiftung. Die Chancen für eine raschen Erholung der Wirtschaft und insbesondere der Industrie im zweiten Halbjahr seien deutlich gesunken.

Bundeskanzlerin Angela Merkel sieht aktuell aber keine Notwendigkeit für Konjunkturpakete. Zwar gehe die Wirtschaft in eine "schwierigere Phase", hatte die CDU-Politikerin bei einem Leserforum der Ostsee-Zeitung gesagt. Merkel warnte aber davor, die wirtschaftliche Lage schlechtzureden. "Wir werden situationsgerecht agieren." Für das Gesamtjahr rechnete die Bundesregierung zuletzt mit einem Wirtschaftswachstum von 0,5 Prozent. Im vergangenen Jahr war das Bruttoinlandsprodukt insgesamt noch um 1,4 Prozent gestiegen.