Andreas Bovenschulte ist neuer Regierungschef im Bundesland Bremen. Der 54-Jährige erhielt in der Bremischen Bürgerschaft im ersten Wahlgang die erforderliche Mehrheit. Der Sozialdemokrat führt somit als erster westdeutscher Regierungschef eine rot-grün-rote Landesregierung an.

Der ehemalige Jurist, Ex-SPD-Landeschef und langjährige Bürgermeister der niedersächsischen Gemeinde Weyhe erhielt 47 der 82 Stimmen. Gegen ihn stimmten 35 der Abgeordneten; Enthaltungen gab es keine.

Bovenschulte löst damit Carsten Sieling (SPD) ab, der als Konsequenz aus der Wahlniederlage der SPD vom 26. Mai seinen Rückzug angekündigt hatte – und künftig als Abgeordneter im Landesparlament sitzt. Über die übrigen acht Senatorinnen und Senatoren wollte das Parlament im Anschluss en bloc abstimmen. Die Koalition aus SPD, Grünen und Linken verfügt im Landtag über eine Mehrheit von sechs Stimmen. 

SPD-Landeschefin sieht neue Koalition als Chance

In der Vergangenheit hatte Bovenschulte mehrfach gesagt, dass er die rot-grün-rote Koalition in Bremen nicht unbedingt als Modell und Vorlage für den Bund sehe. Die Politik in dem 680.000 Einwohnerinnen und Einwohner zählenden und aus Bremerhaven und Bremen bestehenden Zweistädtestaat sieht der erst im Mai in den Landtag gewählte Bovenschulte vor allem von kommunalen Aufgaben geprägt. 

SPD-Landeschefin Sascha Aulepp bezeichnete Rot-Grün-Rot in der vor der Wahl angesetzten Aussprache als "neues Kapitel" in der Bremer Geschichte. Die SPD wolle es dazu benutzen, "verlorenes Vertrauen" bei den Bürgerinnen und Bürgern zurückzugewinnen. CDU-Fraktionschef Thomas Röwekamp kritisierte, der Koalitionsvertrag des Bündnisses werde den "gesellschaftlichen Herausforderungen" nicht gerecht.

Das rot-grün-rote Bündnis kam zustande, obwohl die SPD bei der Wahl am 26. Mai erhebliche Verluste hinnehmen musste und die CDU erstmals seit über 70 Jahren in dem Bundesland die stärkste Kraft wurde. Die Grünen hatten sich gegen eine mögliche Jamaika-Koalition mit der CDU und der FDP entschieden und stattdessen Verhandlungen mit SPD und Linken aufgenommen.