Brandenburgs CDU-Chef Ingo Senftleben will nach der Landtagswahl am 1. September im Falle einer Regierungsbeteiligung die Zustimmung der Parteibasis einholen. "Wir werden als CDU Brandenburg alle Mitglieder beteiligen, wenn ein Regierungsvertrag vorliegt", sagte Senftleben. "Dann werden alle Mitglieder gefragt, ob sie mit Vertrag und der Regierungsoption einverstanden sind."

Eine Mitgliederbefragung wäre für die CDU eine Premiere, während es sie in anderen Parteien wie der SPD schon gab. Hintergrund der Entscheidung Senftlebens ist die erwartete schwierige Koalitionsbildung nach den Landtagswahlen, weil AfD, SPD, Grüne, Linke und CDU in Umfragen nahe beieinanderliegen. "Ich kann ausschließen, dass wir mit der AfD eine Regierung eingehen werden", sagte Senftleben. Alle anderen Optionen – also auch eine Zusammenarbeit mit den Linken – schließt er aber nicht aus.

"Wir haben gesagt, dass wir uns das sehr gut vorstellen können mit den Grünen zusammen", sagte Senftleben zu seinen Präferenzen. Nach aktuellen Umfragewerten wäre dann aber ein dritter Koalitionspartner nötig. In Brandenburg wie auch in Sachsen gibt es erhebliche Vorbehalte in der CDU gegen Koalitionen mit linken Parteien. In Sachsen lehnt der konservative Parteiflügel etwa auch ein Bündnis mit den Grünen ab.

Niemand will mit der AfD

CDU und SPD sowie die Linke mussten in den jüngsten Umfragen herbe Verluste hinnehmen. Grüne und AfD hingegen konnten hinzugewinnen. In der jüngsten Umfrage von Forsa für die Märkische Allgemeine war die AfD auf 21 Prozent gekommen, gefolgt von der CDU mit 18 Prozent und der SPD mit 17 Prozent. Die Grünen erhielten 16 Prozent, die Linke erreichte 14 Prozent. Die FDP kam auf 5 Prozent und die Freien Wähler wurden von vier Prozent genannt. Die Fehlertoleranz lag bei plus/minus drei Prozentpunkten – damit ist vieles offen.

Je nachdem, welche Umfrage man zugrunde legt, sind grundsätzlich unterschiedliche Bündnisse für eine Regierungsbildung möglich. Falls die AfD stärkste Kraft wird, würde wohl keine andere Partei mit ihr koalieren wollen. Spekuliert wird derzeit unter anderem über ein rot-grün-rotes Bündnis.

Bei der Landtagswahl 2014 war die SPD mit 31,9 Prozent der Stimmen noch stärkste Kraft. Die CDU kam auf 23 Prozent, die Linke erreichte 18,6 Prozente. Die Grünen bekamen 6,2 Prozent, nicht mehr im Landtag vertreten war die FDP. Erstmals war die AfD mit 12,2 Prozent in den Landtag eingezogen.