Brandenburg selbst ist, anders als es dieses einträchtige Bild verraten mag, ein äußerst gespaltenes Land. Dem fünftgrößten Flächenland der Bundesrepublik geht es mittlerweile in einigen Regionen ziemlich gut, in anderen eher schlecht und nichts deutet darauf hin, dass sich das ändern wird. Das erklärt das dichte Kopf-an-Kopf-Rennen der Parteien ebenso wie die Tatsache, dass die SPD hier seit 30 Jahren ununterbrochen regiert. Die Hauptstadt Berlin platzt derart aus allen Nähten, dass es so viele Leute ins Umland spült und brandenburgische Städte und Kommunen nach langen Jahren der Schrumpfung und des Wegzugs endlich wieder wachsen. Dieses Wachstum jedoch beschränkt sich auf den sogenannten Speckgürtel und Potsdam, Regionen wie die Prignitz oder auch die weitere Lausitz sind von solchen Entwicklungen eher abgeschnitten und werden es wohl auch bleiben. Zumal in der Lausitz das Ende der Braunkohle ansteht, dann werden bis spätestens 2038 noch einmal 8.000 Arbeitsplätze wegfallen.

Was die Brandenburger, aus völlig verschiedenen Gründen, deshalb am meisten interessiert, ist gar nicht so sehr der Rechtsruck in Teilen der Gesellschaft, sondern der Ausbau des Internets und des öffentlichen Nahverkehrs. Die einen, weil sie rund um Berlin morgens und abends in völlig überfüllten Pendlerzügen stehen, die anderen, weil in ihre Orte nur sehr selten überhaupt Züge kommen. Man mag denken, dass dieses Thema den Grünen in die Hände spielt, tut es auch, aber eigentlich hat es, genauer betrachtet, mit Klimaschutz gar nicht so viel zu tun. Brandenburg ist ein Pendlerland, die Menschen wollen schlicht besser von A nach B kommen. Ursula Nonnemacher muss auf dem Podium noch einmal darauf hinweisen, dass das auch dem Klima zugutekäme.

Ministerpräsident Woidke wirkt amtsmüde

Man ist also in der eigentlich komfortablen und für ein ostdeutsches Bundesland nicht gewohnten Situation, einen anstehenden Aufschwung gestalten zu können. Denn lange Jahre war es ja eher so, dass man wusste, selbst wenn man Bahnstrecken ausbauen würde, wäre niemand da, der die Züge benutzen würde. Ähnliches gilt für die Bildung, auch an Lehrern mangelt es überall, und nicht zuletzt für den Strukturwandel in der Lausitz. Fast 17 Milliarden Euro werden der Region in den kommenden Jahren bereitgestellt werden, eine so große Summe hat der Bund schon lange nicht mehr ausgegeben.

Ministerpräsident Dietmar Woidke mag sich davon nicht anstecken lassen, ein Wort wie Aufbruch nimmt er den ganzen Abend nicht in den Mund. Eher wirkt er ziemlich amtsmüde und scheint gedanklich bereits damit beschäftigt, seinen Rückzug zu organisieren. Brandenburg war mit den Ministerpräsidenten Manfred Stolpe und Matthias Platzeck für die SPD eine Art feste Burg, im Prinzip uneinnehmbar. Nun sind sie nach den jüngsten Umfragen bei traurigen 17 Prozent gelandet. Und aus Berlin können sie natürlich im Moment kaum Rückenwind erwarten. Es wirkt wie das Ende einer Dynastie. Und ein Spiegel der bundespolitischen Situation.