Und so geht die Energie auf dem Podium eindeutig von Ursula Nonnemacher und Ingo Senftleben aus. Beide könnten nicht unterschiedlicher sein: Die 62-jährige Grüne stammt eigentlich aus Wiesbaden, war lange Jahre Ärztin in Spandau und ist Mitte der Neunzigerjahre mit ihrer Familie kurz hinter die Berliner Stadtgrenze nach Falkensee gezogen. Ingo Senftleben dagegen ist durch und durch Brandenburger, er lebt mit seiner Familie in einem kleinen Dorf in der Lausitz, ganz im Süden an der Grenze zu Sachsen. Auf die eine Seite des Hauses wirft ein Windrad seinen Schatten, auf der anderen Seite kann er die Abraumbagger sehen.

Der 45-Jährige ist kein typischer Konservativer. Vergleicht man ihn mit Michael Kretschmer aus Sachsen oder Mike Mohring aus Thüringen, fällt auf, dass er auf all die ideologischen Floskeln und Plattitüden verzichtet, mit denen viele von der CDU im Osten immer noch glauben, arbeiten zu müssen. Das Erste, was er auf dem Podium ungefragt sagt, ist, dass er nicht mit der AfD zusammenarbeiten wird. Er wiederholt es sogar noch einmal. Stattdessen hat er vor ein paar Tagen eine Art Klimaprogramm vorgelegt und kann sich, wie gesagt, sogar vorstellen, mit der Linkspartei zu koalieren. Für Kretschmer und Mohring wäre so etwas undenkbar.

Der AfD-Kandidat kann außer Provokation nicht viel beitragen

Die AfD rutscht an einem solchen Abend, an dem es um Sachfragen geht, trotz ihrer Stärke in den Umfragen fast automatisch in den Hintergrund. Trotz des großen medialen Interesses an ihr. Überraschend ist, dass sich Andreas Kalbitz gegen seine Statistenrolle nicht einmal zu wehren scheint. Brav antwortet er auf die Fragen zu Inklusion, Windrädern und Kohleausstieg. Die Partei ist natürlich gegen all das. Kalbitz versucht zu erklären, was der Wahlslogan "Vollende die Wende!", den man überall plakatiert, bedeuten soll. Irgendetwas von damals sei angeblich liegen geblieben, Freiheitsrechte wie die Meinungsfreiheit seien heute ebenso gefährdet wie in der DDR. Klar wird dabei vor allem eins: Einer wie Kalbitz funktioniert eigentlich nur in seinem – zugegeben nicht kleinen – Biotop. Stellt man ihn im bürgerlichen Potsdam zwischen all die anderen Politiker, kann er eigentlich außer Provokationen nicht viel beitragen und bekommt allenfalls Beifall von zwei, drei Leuten.

Zum Abschluss werden alle Kandidaten noch gefragt, mit wem sie am kommenden Wochenende eine Paddeltour unternehmen würden. Und es gibt wahrheitsgetreue Antworten: Die CDU würde am liebsten mit den Grünen, die SPD mit der Linkspartei und die AfD glaubt, auch weiterhin allein im Boot sitzen zu müssen. Über so viel Ehrlichkeit ist man wirklich verblüfft. Aber so geht offenbar Brandenburg.