Der Ex-Verfassungsschutzchef Hans-Georg Maaßen hat die sächsische CDU und Ministerpräsident Michael Kretschmer zwei Wochen vor der Landtagswahl dazu aufgerufen, sich inhaltlich von der Bundespartei abzugrenzen. "Ich wünsche mir, dass sich der sächsische
Ministerpräsident von bestimmten politischen Positionen, die von der CDU auf Bundesebene propagiert werden, emanzipiert", sagte Maaßen der Welt am Sonntag. Das Interview wurde nach Angaben der Zeitung geführt, bevor Äußerungen der CDU-Chefin Annegret
Kramp-Karrenbauer zu einem möglichen Parteiausschluss gegen Maaßen bekannt geworden waren. 

Maaßen gehört der Werteunion am rechten Rand der CDU/CSU an. In dem Interview betonte er, er wünsche sich von seiner Partei "in Teilen eine Neupositionierung der CDU, eine Politikwende". Er ergänzte: "Damit stehe ich nicht alleine. Es sind viele, die das fordern. Viel mehr als die 2.500 Mitglieder der Werteunion."

Maaßen ist ein großer Kritiker der Flüchtlingspolitik von Kanzlerin Angela Merkel (CDU). In seinem Interview ging er zudem die Grünen scharf an: "Die Grünen insgesamt betreiben in Teilen eine weltfremde bis esoterische Politik, die wenig mit den tatsächlichen Problemen der allermeisten Menschen in diesem Land zu tun hat", sagte er und betonte: "Ich halte die Politik der Grünen in Teilen für realitätsfremd und gefährlich. In der Migrationspolitik würde sie dazu führen, dass die Türen noch weiter geöffnet werden und gar keine Abschiebungen mehr stattfinden."

"Nicht mit der Klima-Hölle drohen"

Zudem denke er nicht, "dass das Thema Klima die Menschen derart besorgt", wie "gerade überall erklärt" werde. "Wir sollten unseren Kindern nicht mit der Klima-Hölle drohen, wenn sie den Müll nicht trennen, sondern vernünftige Lösungen suchen."

Für die rechtskonservative Werteunion absolvierte Maaßen zuletzt mehrere Wahlkampfauftritte in den ostdeutschen Bundesländern, in denen am 1. September Landtagswahlen stattfinden.

CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer hatte in einem am Samstag veröffentlichten Interview der Zeitungen der Funke Mediengruppe indirekt ein Parteiausschlussverfahren gegen Maaßen ins Spiel gebracht. Sie sehe keine Haltung, die ihn mit der CDU verbindet, sagt die Parteichefin über den früheren Verfassungsschutzpräsidenten. Maaßen wolle eine andere Partei schaffen. Er fordert unter anderem, die CDU dürfe eine Koalition mit der AfD nicht ausschließen; die Parteispitze lehnt das kategorisch ab. Maaßen warf der CDU daraufhin einen Linksruck vor.