Zehn Tage vor den Landtagswahlen in Sachsen liegt die CDU in einer Wahlumfrage mit 30 Prozent der Zweitstimmen deutlich vor der AfD (24 Prozent). Im Vergleich zum Sachsen-Trend von Anfang Juli konnte die Union damit vier Prozentpunkte zulegen, die AfD verliert hingegen zwei Prozentpunkte. Das geht aus einer Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Infratest dimap im Auftrag der ARD-Tagesthemen hervor.

Die SPD gab zwei Punkte ab und landete bei sieben Prozent. Die Linkspartei kam auf 16 Prozent (plus ein Punkt), die Grünen auf elf Prozent (minus ein Punkt). Die FDP muss mit fünf Prozent um den Einzug in den Dresdner Landtag bangen.

Eine Fortsetzung der Koalition aus CDU und SPD wäre demnach nicht möglich. Der Umfrage zufolge hätte lediglich ein Bündnis aus CDU, Grünen und SPD eine knappe rechnerische Mehrheit. Infratest dimap wies allerdings darauf hin, dass es sich bei den Ergebnissen ausdrücklich nicht um eine Prognose des Wahlausgangs handle, sondern um eine Wiedergabe der politischen Stimmung. Befragt wurden von Montag bis Mittwoch 1.002 Wahlberechtigte.

Positive Werte ergibt die Umfrage für Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU), mit dessen Arbeit sich 63 Prozent der Befragten zufrieden oder sehr zufrieden äußerten. Dies sind allerdings drei Prozentpunkte weniger als im Juli. Die Arbeit der Landesregierung insgesamt wurde von 50 Prozent der Befragten positiv bewertet.

SPD gewinnt in Brandenburg hinzu

In Brandenburg erreicht das rot-rote Regierungsbündnis in der Umfrage ebenfalls nur 37 Prozent. Hier liegen SPD und AfD nach der Umfrage mit jeweils 22 Prozent gleichauf an der Spitze. Bei der SPD ist das ein Plus von vier Punkten im Vergleich zu einer Wählerbefragung von Anfang Juni. Die Linkspartei kann einen Punkt auf 15 Prozent zulegen. Die AfD hat ein Plus von einem Prozentpunkt. Die CDU liegt bei 18 Punkten (plus ein Punkt). Die Grünen sinken nach dem Verlust von fünf Punkten auf zwölf Prozent. Wie in Sachsen liegt die FDP auch in Brandenburg bei fünf Prozent und muss fürchten, an der Fünf-Prozent-Hürde zu scheitern.

In Brandenburg sind aktuell nur 44 Prozent der Befragten mit der Arbeit der rot-roten Landesregierung Brandenburgs zufrieden oder sehr zufrieden, geht es nach der Umfrage. 54 Prozent seien weniger beziehungsweise gar nicht zufrieden.

Mit der Arbeit von Ministerpräsident Woidke zeigte sich eine knappe Mehrheit der Befragten von 51 Prozent zufrieden und 36 Prozent unzufrieden. Für Woidke sei dies der niedrigste Wert der laufenden Legislaturperiode. 30 Prozent der Befragten wollten, dass die SPD weiterhin die Regierung führt. Dagegen wünschten 59 Prozent, dass eine andere Partei an die Macht kommt.

Mit der Arbeit des CDU-Herausforderers Ingo Senftleben waren 23 Prozent zufrieden. 52 Prozent der Befragten hätten angegeben, Senftleben nicht zu kennen oder seine Arbeit nicht beurteilen zu können. Mit der Arbeit von AfD-Spitzenkandidat Andreas Kalbitz zeigten sich 15 Prozent der Befragten zufrieden – 60 Prozent kannten ihn nicht oder konnten sich keine Meinung über ihn bilden.

Auch in Brandenburg kann die Koalitionsbildung schwierig werden. Falls die AfD stärkste Kraft wird, würde wohl keine andere Partei mit ihr koalieren wollen. Spekuliert wird derzeit unter anderem über ein rot-grün-rotes Bündnis.

Über die Unsicherheiten von Umfragen

Repräsentative Umfragen unterliegen immer Fehlern. Man kann davon ausgehen, dass der tatsächliche Wert mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem Bereich von einem bis drei Prozentpunkten über oder unter den letztlich angegebenen Messwerten liegt. Den Korridor dieses statistischen Fehlers zeigen wir ab sofort in unseren Grafiken zu Wahlumfragen.

Die Ergebnisse basieren immer auf Stichprobenbefragungen. Diese decken in der Regel nur spezielle Teile der Bevölkerung ab (zum Beispiel Menschen mit Festnetz-Telefonanschluss oder Internetnutzer). Einige potenzielle Teilnehmer sind ablehnend und wollen erst gar nicht befragt werden. Fragen werden mitunter auch falsch verstanden und nicht immer aufrichtig beantwortet. Zum Beispiel auch in Reaktion auf vorangegangene Umfragen. Um jedoch ein allgemeines Meinungsbild über alle Bevölkerungsgruppen hinweg zu berechnen, müssen die Demoskopen fehlende Messwerte und vermutete Ungenauigkeiten ausgleichen und die vorliegenden Zahlen neu gewichten. Diese (in der Regel nicht transparenten) Formeln unterscheiden sich in den Instituten und führen daher zu unterschiedlichen Aussagen.

Umfragewerte sind immer Momentaufnahmen. Mehr als eine grobe Tendenz für ein Meinungsbild lässt sich daraus nicht ableiten. Selbst wenn die Aussagen und Berechnungen zum Veröffentlichungszeitpunkt der Umfrage nahe an der Realität liegen, ist immer noch offen, ob die damals befragten Wähler zum Beispiel später tatsächlich ihre Stimme abgeben oder sich kurzfristig umentscheiden.

Weitere Hintergründe über unseren Umgang mit Wahlumfragen finden Sie in unserem Transparenzblog Glashaus.