Im Umgang mit psychisch erkrankten Flüchtlingen haben Ärzte und Psychotherapeuten Kritik am Bundesamt für Migration und Flüchtlinge (Bamf) geübt. "Wir erkennen in den Zurückweisungen von traumatisierten Geflüchteten, dass das Bamf für seine Schreiben oftmals Textbausteine nutzt, um psychiatrische Gutachten und ärztliche Stellungnahmen als nicht ausreichend begründet abzuweisen", sagte die Vorsitzende der Bundesweiten Arbeitsgemeinschaft der Psychosozialen Zentren für Flüchtlinge und Folteropfer (BAfF), Elise Bittenbinder, den Zeitungen der Funke Mediengruppe.

Ihrer Meinung nach wirkt dies, "als würden sich die Bamf-Mitarbeiter nicht mehr professionell mit jedem Einzelfall auseinandersetzen, sondern pauschal und manchmal sogar sehr differenziert unsachgemäß urteilen". Es entstehe der Eindruck, dass es vor allem darum gehe, "politische Interessen durchzusetzen", statt den "bestmöglichen Schutz von Opfern von Gewalt" sicherzustellen.

Die BAfF ist der Dachverband für bundesweit rund 40 Psychosoziale Zentren. Nach eigenen Angaben haben Ärzte und Psychotherapeuten 2013 etwa 10.000 traumatisierte Flüchtlinge versorgt, 2018 waren es laut Bittenbinder schon mehr als 20.000.

Bamf weist Vorwürfe zurück

Deutliche Kritik am Vorgehen der Behörden äußerte auch der Menschenrechtsbeauftragte der hessischen Landesärztekammer, Ernst Girth. "Die Regierungen, das Bamf und die Ausländerbehörden versuchen in vielen Fällen, kritische Ärzte aus den Abschiebeverfahren rauszuhalten", sagte er.

Das Bamf wies die Vorwürfe zurück. Bei Hinweisen auf psychische Erkrankungen seien die Mitarbeiter des Bundesamtes dafür sensibilisiert, "besonders einfühlsam mit den Betroffenen umzugehen", sagte ein Sprecher des Amtes. Die Behörde setzt nach eigenen Angaben in den Asylverfahren 218 Sonderbeauftragte für Traumatisierte und Folteropfer ein.

Seit August gilt das Geordnete-Rückkehr-Gesetz. Es hält fest, dass bei traumatisierten Flüchtlingen nur noch Atteste von Fachärzten wie Psychiatern als mögliches Hindernis für eine Abschiebung akzeptiert werden. Stellungnahmen von Psychotherapeuten werden von den Behörden dagegen nicht mehr angenommen.