Ein weiteres Paar hat die SPD-Spitze über seine Kandidatur für den Parteivorsitz informiert: Gesine Schwan und Ralf Stegner kündigten nach Informationen von ZEIT ONLINE dem Parteivorstand ihre Bewerbung an.

Der 59-jährige Ralf Stegner hat Regierungserfahrung als Landesminister: Von 2003 bis 2005 war er Finanzminister und von 2005 bis 2008 Innenminister von Schleswig-Holstein. Seit 2008 ist er Vorsitzender der SPD-Fraktion im Schleswig-Holsteinischen Landtag, seit 2014 außerdem einer der stellvertretenden Bundesvorsitzenden der SPD. Stegner wird dem linken Flügel der SPD zugerechnet.

Gesine Schwan hatte sich im Juni bereits zu einer möglichen Kandidatur geäußert. Damals hatte sich die Politikwissenschaftlerin bereit erklärt, in der SPD ein Führungsamt zu übernehmen. In der Vergangenheit war die heute 76-Jährige zweimal erfolglos als Kandidatin zur Wahl für das Bundespräsidentenamt angetreten. An der Freien Universität Berlin lehrte Schwan seit 1977 Politikwissenschaften. Innerhalb der SPD war sie an der Gründung des Seeheimer Kreises beteiligt, dessen Mitglieder sich einem konservativen Flügel der SPD zuordnen. Sie ist Vorsitzende der Grundwertekommission der Partei. Zwischen 1999 und 2008 war Schwan Präsidentin der Europa-Universität Viadrina in Frankfurt (Oder).

Noch sind Schwan und Stegner nicht offiziell nominiert

Damit ihre Kandidatur offiziell ist, benötigen Schwan und Stegner allerdings noch die Nominierung durch einen Landesverband, einen Bezirk oder fünf Unterbezirke. 

Anfang Juni war die bisherige SPD-Vorsitzende Andrea Nahles von allen politischen Ämtern zurückgetreten. Derzeit wird die Partei kommissarisch von Malu Dreyer, Manuela Schwesig und Thorsten Schäfer-Gümbel geleitet. Die kommissarische Parteiführung hatte ein Bewerbungsverfahren ausgearbeitet, bei dem sich noch bis Ende August Einzelbewerber und Zweierteams melden können. Über den oder die Vorsitzenden sollen daraufhin die rund 440.000 SPD-Mitglieder entscheiden.

Der CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak reagierte auf die Kandidatur des Duos Schwan und Stegner polemisch: "Stegner hat nun doch eine Frau gefunden ... Wenn beide noch den Kevin adoptieren, könnten wir eine Neuauflage von 'Eine schrecklich nette Familie' aufführen", twitterte Ziemiak. Mit dem Namen "Kevin" dürfte sich Ziemiak auf den Vorsitzenden der Jusos, Kevin Kühnert, beziehen.

Ziemiaks Tweet löste seinerseits eine Reihe ablehnender Reaktionen aus: Lars Klingbeil, der Generalsekretär der SPD, bezeichnete die Äußerung auf Twitter als "sehr halbstark".

Eine Übersicht über alle Kandidaten und Teams, die sich bislang um den SPD-Vorsitz beworben haben, finden Sie hier:

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