Jan Böhmermann will für den Vorsitz der SPD kandidieren. Das kündigte er in seiner Show Neo Magazin Royale an. Willy Brandt sei ihm im Traum erschienen und habe ihm gesagt: "Du musst es machen, der Olaf (Scholz) ist 'ne Pfeife." Wie Böhmermann auf der Website seiner Kampagne #neustart19 schreibt, müssten noch formelle Herausforderungen bewältigt werden. So müsse er bis Sonntagabend SPD-Mitglied werden und sich die Unterstützung von fünf SPD-Unterbezirken, einem Bezirk oder einem Landesverband sichern.

Der Satiriker beteuerte, die Aktion sei kein Witz. Bei Neo Magazin Royale sind Aktionen, die mit seriöser und ironischer Absicht spielen, allerdings fester Bestandteil der Show.

Bislang ist der SPD noch keine Bewerbung Böhmermanns für eine Mitgliedschaft bekannt. Sowohl in seinem Heimatort Köln-Ehrenfeld als auch in seiner Geburtsstadt Bremen hat der Moderator wenig Aussicht auf Erfolg. Der sozialdemokratische Bezirksbürgermeister von Ehrenfeld, Josef Wirges, schloss aus, Böhmermann für den SPD-Vorsitz in seinem Bereich zuzulassen. "Der Herr kann machen, was er will, aber aufnehmen tun wir ihn nicht", sagte Wirges, der als Ortsvereinschef dabei mitentscheidet. Die ganze Aktion diene ja nur dem Zweck, "ein bisschen Show zu machen", sagte Wirges. "Der Mann hat keine Erfahrung. Er soll sich auf das konzentrieren, was er macht, auf seine Fernsehsendung, da hat er ja auch viel Spaß." Der 67-Jährige ist seit 22 Jahren Bürgermeister des Kölner Bezirks, in dem Böhmermanns Sendung produziert wird.

"Unterstützung aus Bremen wird es für diese Kandidatur mit Sicherheit nicht geben", sagte der dortige SPD-Landesgeschäftsführer Roland Pahl. "Die Voraussetzung für eine Kandidatur ist eine SPD-Mitgliedschaft, und man sollte schon länger in der Partei sein, um sie etwas zu kennen. Unsere Stellungnahme ist humorlos, das gebe ich zu", sagte Pahl, der die Aktion als Klamauk bezeichnete.

Etwas humorvoller nahm der Jusos-Chef Böhmermanns Initiative. "Kluge Kampagne", kommentierte Kevin Kühnert das Video von Böhmermanns Bewerbungsrede auf Twitter. "Es fehlen noch AWO-Tischdecke und IG-Metall-Cap, dann könnten die ersten Unterbezirke weich werden. Tipp: Mehr Willy-Brandt-Zitate nutzen." Alexander Schweitzer aus dem SPD-Bundesvorstand sagte der Bild-Zeitung, er finde es gut, wenn der Moderator SPD-Mitglied werde. "Allerdings sollte er beim Mitgliedsbeitrag nicht zu knauserig sein und sich das mit dem Vorsitz schnell wieder abschminken."

Die Bewerbungsfrist für die Nachfolge von Andrea Nahles als Parteivorsitzende läuft am Sonntag ab. Wie ein Parteisprecher mitteilte, hat der Wahlvorstand der SPD bislang bei fünf Kandidatenduos die nötige Unterstützung anerkannt: bei Olaf Scholz und der Brandenburger Landtagsabgeordneten Klara Geywitz, Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius und Sachsens Integrationsministerin Petra Köpping, Europa-Staatsminister Michael Roth und der ehemaligen nordrhein-westfälischen Familienministerin Christina Kampmann, den beiden Bundestagsabgeordneten Karl Lauterbach und Nina Scheer sowie der Bundestagsabgeordneten Hilde Mattheis und dem ver.di-Chefökonom Dierk Hirschel.

Seit dem Rücktritt von Andrea Nahles ist der Posten an der SPD-Spitze vakant. Derzeit wird die Partei kommissarisch und gemeinsam von Thorsten Schäfer-Gümbel, Malu Dreyer und Manuela Schwesig geführt – bis ein neues Führungsteam gewählt ist. Nach Ende der Bewerbungsfrist folgen 23 Regionalkonferenzen, auf denen sich die Kandidaten vorstellen können. Faktisch bestimmt wird die Spitze in einer Mitgliederbefragung. Formell abgeschlossen wird das Verfahren auf einem Parteitag in Berlin Anfang Dezember, wo dann auch über die Halbzeitbilanz der Koalition mit der Union debattiert und abgestimmt werden soll.

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