Familienministerin Franziska Giffey zieht erste Konsequenzen aus der Diskussion um ihre Doktorarbeit. Sie habe der kommissarischen SPD-Chefin Malu Dreyer mitgeteilt, dass sie nicht für das Amt der Parteivorsitzenden kandidiere, teilte die SPD-Bundesgeschäftsstelle mit. Wie die FAZ berichtet hatte, erklärte sie zudem gegenüber der SPD-Spitze, dass sie ihren Ministerposten aufgeben wolle, sollte die Freie Universität Berlin ihr den Doktortitel aberkennen. Die Universität prüft derzeit, ob Giffey bei ihrer Doktorarbeit plagiiert hat. Wann die Hochschule das Ergebnis bekannt gibt, ist unbekannt. Für den SPD-Vorsitz kann man sich noch bis 1. September bewerben. 

Dreyer sagte, Giffey habe sich diese Entscheidung über den Kandidaturverzicht "nicht leicht gemacht, weil sie eine Sozialdemokratin durch und durch ist". 

Die frühere Berliner Bezirksbürgermeisterin Giffey galt als Kandidatin für den SPD-Vorsitz, für den die SPD derzeit Bewerber sucht. Bisher hatte sie sich aber nicht zu ihren Ambitionen geäußert. In ihrem Brief schrieb sie nun, sie wolle nicht zulassen, dass das anhängige Verfahren zur Überprüfung ihrer Doktorarbeit den Prozess der personellen Neuaufstellung der SPD überschattet, zitierte die FAZ aus dem Brief. Sie wolle sich in ihrer politischen Tätigkeit und in ihrem ehrenamtlichen Engagement weiter für die SPD einsetzen. Dreyer sagte, Giffeys Geradlinigkeit "zeigt sich auch in diesem Schritt".

Giffey hatte über "Europas Weg zum Bürger – Die Politik der Europäischen Kommission zur Beteiligung der Zivilgesellschaft" promoviert. Sie ist nicht nur Politikerin, sondern auch Politikwissenschaftlerin.