SPD - Olaf Scholz kandidiert für Parteivorsitz Der Finanzminister soll die Kandidatur um den SPD-Parteivorsitz in einer Telefonkonferenz angekündigt haben. Für eine Doppelspitze suche Scholz jetzt noch eine Partnerin. © Foto: Jörg Carstensen

Bundesfinanzminister und Vizekanzler Olaf Scholz hat angekündigt, für den Vorsitz der SPD zu kandidieren. "Ich bin bereit anzutreten, wenn ihr das wollt", sagte Scholz in einer Telefonschalte mit den Interimsvorsitzenden Malu Dreyer, Manuela Schwesig und Thorsten Schäfer-Gümbel, wie eine Parteisprecherin ZEIT ONLINE bestätigte. Eine offizielle Bewerbung des bisherigen Vizevorsitzenden liegt demnach bislang nicht vor.

Wie der Spiegel berichtet hatte, gab es in der Telefonschalte keinen Widerspruch gegen Scholz' Ankündigung. Laut Parteikreisen spricht der Finanzminister seitdem mit führenden Sozialdemokraten und sucht eine Tandempartnerin, mit der er als Doppelspitze antreten kann. Laut dem Redaktionsnetzwerk Deutschland will er seine Kandidatur Anfang kommender Woche erklären und Finanzminister bleiben.

"Auf Augenhöhe mit Merkel, Söder, Kramp-Karrenbauer"

Die Bewerbung des 61-Jährigen kommt überraschend. So hatte er in den vergangenen Wochen noch erklärt, aus zeitlichen Gründen nicht für den Parteivorsitz zur Verfügung zu stehen. Dass er sich nun anders entschieden habe, sei auch auf darauf zurückzuführen, dass bislang niemand aus der ersten Reihe kandidieren wollte und zuletzt in der Parteispitze die Sorge vor einem weiteren Absturz der SPD wuchs, schreibt der Spiegel.

In einer ersten Reaktion begrüßte der SPD-Bundestagsabgeordnete Johannes Kahrs die Entscheidung des Vizekanzlers. "Olaf Scholz hat Augenhöhe und Durchschlagskraft gegenüber Merkel, Söder und Kramp-Karrenbauer", sagte der Sprecher des konservativen Seeheimer Kreises mit Blick auf die Unionsspitze, namentlich Bundeskanzlerin Angela Merkel, CSU-Chef Markus Söder und CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer. "Er kann unsere SPD-Anliegen durchsetzen", so Kahrs.

Anfang Juni war die bisherige SPD-Vorsitzende Andrea Nahles von allen politischen Ämtern zurückgetreten. Die Partei wird derzeit kommissarisch von Malu Dreyer, Manuela Schwesig und Thorsten Schäfer-Gümbel geleitet. Alle drei hatten ein Bewerbungsverfahren ausgearbeitet, bei dem sich bis zum 1. September Einzelbewerber und Zweierteams melden können. Im Anschluss müssen sich die Kandidaten auf 23 Terminen in den Landesverbänden vorstellen. Über den oder die Vorsitzenden entscheiden im Endeffekt die rund 440.000 SPD-Mitglieder.

Kurz vor Scholz hatten auch der niedersächsische Innenminister Boris Pistorius und die sächsische Integrationsministerin Petra Köpping intern ihre Kandidatur angekündigt. Wie ZEIT ONLINE aus Parteikreisen erfuhr, soll die Kampagne der beiden am Sonntag mit einer Pressekonferenz starten. Offiziell ihre Bewerbung erklären wollen an diesem Freitag Gesine Schwan und Ralf Stegner.  Zugleich hatte Bundesfamilienministerin Franziska Giffey ihren Verzicht erklärt.

Eine Übersicht über alle Kandidaten und Teams, die sich bislang um den SPD-Vorsitz beworben haben, finden Sie hier:

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