Bundesfinanzminister Olaf Scholz hat angekündigt, er werde sein Regierungsamt nicht niederlegen, wenn er zum SPD-Chef gewählt werden sollte. Die Idee, dann aus der Bundesregierung auszuscheiden, finde er "absurd", sagte der Vizekanzler in der ARD-Sendung Anne Will. Und er glaube, auch die SPD-Mitglieder fänden das absurd. Er räumte jedoch ein, es werde rein zeitlich "sehr schwer", den Parteivorsitz mit seinem Ministeramt zu verbinden.

Er bewerbe sich zusammen mit der brandenburgischen SPD-Politikerin Klara Geywitz um den SPD-Vorsitz, damit die Partei in den nächsten Jahren zu der Stärke komme, die sie verdiene und die das Land brauche, so Scholz. Zu früheren Aussagen, wonach er als Finanzminister zu wenig Zeit für den Parteivorsitz habe, sagte Scholz, er habe in dem Punkt seine Meinung geändert. Die Diskussionen über die SPD in den vergangenen Wochen habe er "nicht mehr ertragen" können. Er wolle, dass die SPD ernst genommen wird und man ihr Stärke zutraut.

Seit dem Rücktritt von Andrea Nahles im Juni ist der SPD-Vorsitz vakant. Derzeit wird die Partei von Thorsten Schäfer-Gümbel, Malu Dreyer und Manuela Schwesig gemeinsam kommissarisch geführt – bis ein neues Führungsteam gewählt ist. Bewerbungen dafür sind noch bis zum 1. September möglich. Danach folgen 23 Regionalkonferenzen, auf denen sich die Kandidaten vorstellen können. Faktisch bestimmt wird die Spitze in einer Mitgliederbefragung. Formell abgeschlossen wird das Verfahren auf einem Parteitag in Berlin Anfang Dezember. Dort will die SPD auch über ihre Halbzeitbilanz mit der Union abstimmen.