Der kommissarische Fraktionschef der SPD Rolf Mützenich will sein Amt dauerhaft ausüben. In einem Brief an die Fraktion kündigte er nach Informationen von ZEIT ONLINE an, sich bei der Neuwahl des Fraktionsvorsitzes im September zu bewerben.

"Als ihr mir kommissarisch die Leitung der Fraktion übertragen habt, habe ich versprochen, alles stärker in die Diskussionsprozesse einzubeziehen, das Gemeinschaftsgefühl zu stärken und die Kommunikation mit den Arbeitsgruppen, Landesgruppen und den Strömungen zu intensivieren. Diesem Versprechen fühle ich mich nach wie vor verpflichtet", schrieb Mützenich in dem ZEIT ONLINE vorliegenden Brief. "Und diese Aufgaben will ich gerne fortführen, indem ich mich zur Wahl für den Fraktionsvorsitz stelle." Er habe sich die Entscheidung nicht leicht gemacht, aber die vielen positiven Rückmeldungen aus Parteikreisen in den vergangenen Wochen hätten ihn ermuntert, sich der Wahl zu stellen.

Mützenich hatte den Fraktionsvorsitz nach dem Rücktritt von Andrea Nahles Anfang Juni als dienstältestes Vorstandsmitglied kommissarisch übernommen. Der Außenpolitik-Experte zählt zum linken Parteiflügel und ist ein Befürworter der großen Koalition.

Mehrere führende SPD-Politiker begrüßten die Kandidatur Mützenichs. Karl Lauterbach, der als SPD-Vorsitzender kandidiert, sagte zu der Entscheidung: "Rolf Mützenich ist genau der richtige Fraktionsvorsitzende für die Aufgaben, die jetzt vor uns stehen", sagte er ZEIT ONLINE. "Wir stehen vor großen internationalen Krisen und wir brauchen jemanden, der ohne Hektik, mit viel Erfahrung und einer klaren sozialdemokratischen Haltung die Fraktion führt."

SPD-Generalsekretär Lars Klingbeil twitterte: "Super Entscheidung, super Typ."

Auch der Parteivorsitz der SPD ist seit dem Rücktritt von Andrea Nahles vakant. Noch bis Ende August können sich Bewerber melden, dann dürfen die Mitglieder entscheiden. Während Mützenich in der Fraktion als Einzelkandidat antreten will, wünschen sich viele Mitglieder eine Doppelspitze auf dem SPD-Vorsitz.

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