Mehrere tausend Menschen haben friedlich in Dresden gegen einen "Rechtsruck" in Deutschland demonstriert. Über 35.000 Demonstrierende haben sich unter dem Motto #unteilbar für eine offene, freie und solidarische Gesellschaft ausgesprochen, die Veranstalterinnen und Veranstalter sprachen am Samstagabend sogar von 40.000 Teilnehmenden. "Es waren deutlich mehr Menschen bei der Demonstration, als wir gedacht hatten - aus Dresden und ganz Sachsen sowie aus vielen Teilen Deutschlands", sagte Sprecher Felix Müller des Bündnis #unteilbar mit, das die Demonstration organisiert hatte.

Eine Woche vor den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg würden Menschen aus ganz Deutschland Nein zu jeder Art von rechtsextremistischem Gedankengut und unsolidarischer Politik sagen. Zu der Demonstration in Dresden hatten mehr als 400 Organisationen und Einzelpersonen aufgerufen. Neben Gewerkschaften und Sozialverbänden gehören zu dem #unteilbar-Bündnis auch antifaschistische und antirassistische Initiativen. Die katholische und evangelische Kirche hatte ebenfalls zur Teilnahme an der Kundgebung mobilisiert.

Die Veranstaltung richte sich vor allem an jene, die "sozialen Fragen in unserem Staat mit globalen Entwicklungen wie Flucht und Migration in einen Topf werfen", sagte Rudaba Badakhshi, eine der Organisatorinnen, in einem Interview mit dem ZDF. Demnach versuchten Populisten mit "nationalistischem, völkischem Gedankengut" bestimmte Bevölkerungsgruppen gegeneinander aufzubringen, um die Gesellschaft zu spalten. In Sachsen und Brandenburg wird am 1. September der Landtag neu gewählt, in Thüringen am 27. Oktober. Umfragen zufolge dürfte die rechtspopulistische AfD in allen drei Ländern starke Zuwächse erhalten.

Spitzenpolitikerinnen und -politiker von SPD, Grüne und Linke demonstrieren mit

Auch Spitzenpolitikerinnen und -politiker waren bei der Demonstration in Dresden mit dabei. Dazu gehören unter anderem Bundesfinanzminister Olaf Scholz (SPD), der stellvertretende SPD-Vorsitzende Ralf Stegner, die beiden Linken-Parteichefs Katja Kipping und Bernd Riexinger sowie Grünen-Chefin Annalena Baerbock. Von der CDU/CSU hatte keine Politikerin oder Politiker die Teilnahme angekündigt. Auf Twitter dankte Scholz allen Bürgerinnen und Bürgern, "die sich heute hier in Dresden, aber auch im Alltag mutig für unsere Demokratie einsetzen".

Nach der Auftaktkundgebung am Altmarkt zogen die Protestierenden in thematischen Blöcken nach "Soziales", "Antirassismus", "Klima" oder "Kultur" durch das Dresdner Zentrum. Bei der Abschlusskundgebung von 16:30 bis 22 Uhr treten auch bekannte Bands wie die Gruppe Silbermond aus dem sächsischen Bautzen oder Sebastian Krumbiegel von der Band Die Prinzen auf.

Bereits am 6. Juli hatten über 7.500 Menschen in Leipzig für eine soziale und offene Gesellschaft demonstriert. Ebenfalls unter dem Motto #unteilbar waren im vergangenen Oktober rund eine Viertelmillion Menschen in Berlin für gesellschaftliche Vielfalt sowie eine soziale und ökologische Politik auf die Straße gegangen.