Außenminister Heiko Maas (SPD) hat die umstrittene Wahlwerbung der AfD mit Willy Brandt verurteilt. "Willy Brandt hätte für Rechtspopulisten nur eines übrig gehabt: abgrundtiefe Verachtung", erklärte Maas auf Twitter. Weiter schrieb er, es sei "einfach widerlich", wenn "Spalter und Hetzer" den ehemaligen Bundeskanzler heute für eigene Zwecke missbrauchten.

Der Generalsekretär der brandenburgischen SPD, Erik Stohn, forderte die AfD auf, die "Vergewaltigung" von Willy Brandts Erbe zu beenden. Auch der langjährige Bundestagspräsident Wolfgang Thierse (SPD) bezeichnet im Tagesspiegel die Verwendung Brandts als einen "groben Missbrauch" und "schlicht obszön". Die kommissarische SPD-Vorsitzende Manuela Schwesig sagte ebenfalls, die AfD-Kampagne beschmutze das Erbe Willy Brandts.

Brandt bleibe ein Versöhner und Friedensstifter

Die AfD wirbt in Brandenburg im Landkreis Potsdam-Mittelmark mit 400 Wahlplakaten, die ein Foto Brandts und dessen Zitat "Mehr Demokratie wagen" zeigen. Der Landesgeschäftsführer der AfD Brandenburg erklärte, Brandt stehe für das, was die Partei wolle.

Der SPD-Politiker Brandt war zwischen 1969 und 1974 Bundeskanzler der BRD. Unter dem Motto "Mehr Demokratie wagen" reformierte er mit seiner sozialliberalen Koalition aus SPD und FDP die Bildungs-, Sozial- und Innenpolitik und läutete die Wende in der Ostpolitik ein. Für seine Entspannungspolitik im Ost-West-Konflikt wurde Brandt 1971 mit dem Friedensnobelpreis geehrt. Sein Kniefall vor dem Mahnmal der Opfer des Warschauer Ghetto-Aufstandes steht symbolisch für Brandts Politik. Heiko Maas erklärte, Brandt bleibe ein Versöhner und Friedensstifter.

AfD wirbt auch mit Slogans der DDR-Bürgerrechtsbewegung

Bereits am Mittwoch hatten führende Sozialdemokratinnen und Sozialdemokraten die AfD wegen eines Wahlkampfslogans kritisiert, der sich auf die DDR-Bürgerrechtsbewegung bezog. Unter dem Motto "Wende 2.0" wirbt die AfD mit Slogans wie "Wir sind das Volk!" oder "Vollende die Wende".

Thierse sagte, die Gleichsetzung der Bundesrepublik von heute mit der DDR von damals sei eine unglaubliche Verharmlosung der DDR. Die beiden Spitzenkandidaten der AfD Thüringen und Brandenburg, Andreas Kalbitz und Björn Höcke, sind erst nach der Wende in die neuen Bundesländer gezogen und waren an der friedlichen Revolution von 1989 nicht beteiligt.

In Brandenburg und Sachsen wird am 1. September und in Thüringen am 27. Oktober ein neuer Landtag gewählt. Die jeweiligen Landesverbände der AfD hoffen auf ein gutes Wahlergebnis.