Bundestagspräsident Wolfgang Schäuble (CDU) befürwortet den Bau eines Mahnmals in Berlin, das an die polnischen Opfer des NS-Terrors erinnern soll. Deutschland hatte Polen vor 80 Jahren am 1. September 1939 überfallen und damit den Zweiten Weltkrieg begonnen. "Ein solches Denkmal wird dazu anregen, sich stärker mit dem polnischen Leid unter deutscher Besatzung und dem NS-Terror zu beschäftigen", sagte Schäuble der Süddeutschen Zeitung.

Es könne laut des Bundestagspräsidenten dazu beitragen, "den von diesen Erfahrungen mitbestimmten Blickwinkel unserer Nachbarn auf die heutigen Herausforderungen in Europa besser zu verstehen". Das Mahnmal soll Schäuble zufolge ein Ort sein, der "in die gemeinsame Zukunft unserer beiden Nationen weist".

Angestoßen wurden die Denkmalpläne laut der Süddeutschen Zeitung vom ehemaligen Präsidenten des Bundesamtes für Bauwesen und Raumordnung, Florian Mausbuch. Die Bundestagsabgeordneten Paul Ziemiak (CDU), Dietmar Nietan (SPD), Manuel Sarrazin (Grüne), Thomas Nord (Linke) und Alexander Müller (FDP) unterstützen demnach das Vorhaben mit einem eigenen Aufruf. Es solle "an prominenter Stelle" in Berlin ein geeigneter Ort gefunden werden, der der Erinnerung, der Aufklärung und "vor allem auch der Verständigung und dem Abbau von Vorurteilen" dient, heißt es darin.

Sarrazin, Sprecher für Osteuropapolitik der Grünen im Bundestag, kündigte an, dass die Initiatoren nun eine Bundestagsmehrheit für einen Auftrag an die Bundesregierung suchen wollen. Zudem soll ein Konzept für den Gedenkort erarbeitet werden. Gewollt sei "ein Denkanstoß, kein Schlussstrich".

Steinmeier besucht südpolnische Stadt Wieluń

Im Gespräch für ein derartiges Denkmal ist der Askanische Platz in Berlin. Dort, vor der Ruine des ehemaligen Anhalter Bahnhofs, soll es am Sonntag – dem 80. Jahrestag des deutschen Überfalls in Polen – eine Gedenkfeier geben. Daran wird neben Schäuble auch seine polnische Amtskollegin Sejm-Präsidentin Elżbieta Witek teilnehmen.

Zuvor wollen Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier und Polens Präsident Andrzej Duda die südpolnische Kleinstadt Wieluń besuchen, die am 1. September um 4.40 Uhr als erste von der deutschen Luftwaffe angegriffen wurde. Anschließend wird es eine offizielle Gedenkfeier mit Kranzniederlegungen in Warschau geben. Neben weiteren Staatschefs wird daran auch US-Präsident Donald Trump teilnehmen.

Bis heute belasten die von den Nationalsozialisten begangenen Verbrechen in Polen die Beziehungen zwischen beiden Ländern. Erst vor Kurzem hatte der polnische Außenminister Jacek Czaputowicz Reparationszahlungen von Deutschland gefordert.