Der Thüringer AfD-Chef und Spitzenkandidat für die Landtagswahl, Björn Höcke, hat ein Interview mit dem ZDF abrupt beendet. Wie zuvor vereinbart ging es in dem Gespräch, das am Sonntagabend in der Sendung Berlin direkt ausgestrahlt wurde, um Höckes Sprache und um NS-Begriffe.

So hatte der Redakteur anderen AfD-Politikern Aussagen von Höcke vorgelegt und sie gefragt: "Ist das aus Mein Kampf oder von Herrn Höcke?" Bei einem Beispiel antwortete der AfD-Bundestagsabgeordnete Jens Maier: "Wenn, eher aus Mein Kampf würde ich sagen, aber nicht von Herrn Höcke."

Höcke sagte in dem Interview: "Ich glaube nicht, dass es eine allgemein gültige Definition dessen gibt, was eine NS-Diktion, was NS-Sprache ist." Kritiker, die ihm eine sprachliche Nähe zum Nationalsozialismus vorwerfen, seien "Stellenmarkierer". Diese wollten "kontaminieren, was angeblich nicht mehr sagbar ist", sagte er.

Nach rund einer Viertelstunde brach Höcke das Gespräch ab. "Ich kann Ihnen sagen, dass das massive Konsequenzen hat. (...) Passen Sie auf. Wir beenden das Interview, nur, dann ist klar ... Wir wissen nicht, was kommt.  ... Dann ist klar, dass es mit mir kein Interview mehr für Sie geben wird", sagte er. Auf die Frage, ob das eine Drohung sei, sagte Höcke: "Nein, das ist nur 'ne Aussage, weil auch ich nur ein Mensch bin." Auf die weitere Frage: "Was könnte kommen?", antwortete Höcke: "Vielleicht werde ich mal 'ne interessante persönliche, politische Person in diesem Land. Könnte doch sein."

Höckes Sprecher wirft ZDF "emotionalisierte Fragen" vor

Zuvor intervenierte laut ZDF Höckes Pressesprecher und sagte: "Ich würde sagen, das sollten wir einfach wiederholen. Das geht so nicht. Das geht so nicht. Sie haben jetzt Herrn Höcke mit Fragen konfrontiert, die ihn stark emotionalisiert haben. Diese Emotionen, glaube ich, sollte man so nicht im Fernsehen bringen."

Doch der ZDF-Redakteur lehnte eine Wiederholung ab: Der AfD-Politiker könne, wie jeder andere Gesprächspartner auch, nicht nur Fragen gestellt bekommen, die für ihn angenehm seien. Höcke war nach eigenen Aussagen davon ausgegangen, dass es in erster Linie um den Landtagswahlkampf in Thüringen gehen würde. Das ZDF hingegen betont, dass es laut Absprache nicht um Thüringen, sondern um die bundespolitische Bedeutung Höckes gehen sollte.

Das Interview wurde am vergangenen Mittwoch in Erfurt geführt. Das ZDF hat das komplette Gespräch und den Wortlaut online gestellt.

Der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalisten-Verbands (DJV), Frank Überall, erklärte am Abend, es sei völlig richtig gewesen, dass sich der ZDF-Kollege nicht darauf eingelassen habe, das Interview in Höckes Sinne "weichzuspülen". Überall sagte, Björn Höcke habe "ein weiteres dunkles Kapitel des gestörten Umgangs der AfD mit der Pressefreiheit im Allgemeinen und kritischen Journalistinnen und Journalisten im Besonderen aufgeschlagen".