In Berlin hat es einen neuen Angriff auf einen Juden gegeben. Ein 21-jähriger Mann soll laut Polizei aus antisemitischen Motiven angegriffen worden sein. Nach bisherigen Erkenntnissen unterhielt er sich am frühen Montagmorgen vor einer Diskothek im Stadtteil Friedrichshain mit drei gleichaltrigen Freunden auf Hebräisch. Ein Unbekannter habe dies gehört, sei auf den 21-Jährigen zugegangen und habe ihm mit der Faust ins Gesicht geschlagen. Den Angaben zufolge floh der Angreifer anschließend vom Tatort. Das Opfer wurde im Gesicht verletzt.

Die Polizei geht von einem antisemitischen Hintergrund aus. Der Polizeiliche Staatsschutz beim Landeskriminalamt Berlin übernahm die Ermittlungen.

In den vergangenen Wochen und Monaten haben sich antisemitisch motivierte Übergriffe gehäuft. Mitte August wurde ein jüdischer Mann im Stadtteil Charlottenburg angegriffen, Mitte Juni sind der Hamburger Landesrabbiner Shlomo Bistritzky und ein Begleiter vor dem Hamburger Rathaus beschimpft und bedroht worden. Ende Juli war in Berlin der Rabbiner der Jüdischen Gemeinde, Yehuda Teichtal, Opfer einer Attacke geworden. Nahe einer Synagoge beschimpften und bespuckten zwei Männer den Rabbiner, der in Begleitung seiner Kinder unterwegs war.

Antisemitismus - »Hast du keine Angst?« Aus unserem Videoarchiv: Sieben Jüdinnen und Juden erzählen, was ihre Identität ausmacht und wie sich Antisemitismus anfühlt. © Foto: Kevin McElvaney für ZEIT ONLINE

"Wir stellen seit einigen Jahren fest, dass Personen, die öffentlich als Juden wahrnehmbar sind, einem erhöhten Risiko ausgesetzt sind, angefeindet zu werden", sagte Alexander Rasumny vom Bundesverband der Recherche- und Informationsstellen Antisemitismus (RIAS) der Jüdischen Allgemeinen.

Die Übergriffe auf Rabbiner in den vergangenen Wochen bestätigen diese Entwicklung. Bei RIAS-Berlin seien in diesem Jahr bereits mehr als 300 antisemitische Vorfälle gemeldet worden, davon mehr als zehn Angriffe. RIAS geht von einer wesentlich höheren Dunkelziffer aus. Nach Polizeiangaben ist in Berlin die Zahl der Gewalttaten gegen Juden um 60 Prozent gegenüber dem vergangenen Jahr gestiegen.