AfD-Wahlsieger Mario Beger in seinem Büro © Doreen Reinhard für ZEIT ONLINE

Beger hört einfach nur zu und sagt schließlich: "Hier hört man eben Volkes Stimme." Wie ein Schwamm saugt er alles auf. Mario Beger ist an diesem Nachmittag nicht der Wütende aus dem Wahlkampfvideo, sondern zurückhaltend, leise. Und er wirkt ein bisschen überfordert.

Warum hat er gewonnen und nicht der CDU-Politiker? "Ich schätz den Fischi schon. Der ist selbst Handwerker, ein umgänglicher Typ. Aber ich vermute mal, er hat auch verloren, weil ihm die Bundespolitik in die Quere kommt. Die Leute sind nun mal unzufrieden. Ich darf mit ihnen geradeaus reden. Der Fischer kann das in seiner Partei nicht so machen."

Mario Beger stammt aus der Gegend und ist gelernter Fliesenleger. Ende der Achtzigerjahre unternahm er einen Fluchtversuch aus der DDR und kam für anderthalb Jahre in Haft. Das sei traumatisch gewesen, sagt er. "Ich habe das nie richtig aufgearbeitet. Das kommt jetzt alles wieder hoch, auch durch die politische Arbeit."

Unauffälliger Hinterbänkler

Wenn Beger von "eingeschränkter Meinungsfreiheit" redet, dann meint er die Zustände von damals. Aber kann man einen Stasiknast ernsthaft mit heute vergleichen? Gerade lebt er doch ziemlich gut von seiner Meinung, von seiner AfD-Arbeit. "Okay, stimmt schon", entgegnet er darauf. "Zu hundert Prozent kann man das vielleicht nicht vergleichen. Aber die AfD wird ja auch ausgegrenzt. Mit uns redet doch im Landtag keiner. Und das ist wieder wie in der DDR."

Der Höhenflug seiner Partei riss Beger mit. Seit 2014 sitzt er im Landtag, erst über die Landesliste, nun hat er das Direktmandat. Er ist ein unauffälliger Hinterbänkler. Ab und zu hält er Reden, stimmt ab, aber bemerkenswerte Veränderungen kann er noch nicht vorweisen. Auch sein Wahlkampf war eher Routine.

Was will er in den nächsten Jahren voranbringen? "Den ländlichen Raum stärken." Hat er konkrete Ziele, Projekte? Er überlegt. Ja, es gebe Pläne für eine neue Nutzung des Großenhainer Flughafengeländes, da wolle er sich einbringen. "Und hier soll eine Windkraftanlage gebaut werden. Da werde ich dagegen sein." Außerdem natürlich: "Die Leute können immer mit ihren Problemen zu mir kommen."

Fischers Plan B

Die Pläne des Ex-Abgeordneten Sebastian Fischer sind konkreter, jedenfalls für seine eigene Zukunft. Er muss erst mal seine Arbeit abwickeln, die Wahlkreisbüros auflösen, bekommt noch einige Monate Übergangsgeld. "Das ist nicht schlecht. Aber ich will mir schon früher wieder was aufbauen. Mein Plan B war immer mein Meisterbrief." Fischer möchte wieder als Koch arbeiten, in der Heimat, vielleicht auch im Ausland.

Ihm fallen einige Gründe ein, warum die Menschen AfD wählen. "Es ist komplex. Zur Ursachenforschung gehört, dass sächsische Wähler im Durchschnitt älter sind, also oft in der DDR sozialisiert. Man ist es also von früher gewohnt, einfache Antworten auf komplizierte Fragen zu bekommen. Viele verstehen nicht, dass Demokratie langsam ist." Das sind Gründe, mit denen er selbst schwer klarkommt. Aber auch er sucht Schuldige, zum Beispiel in der Bundespolitik. "Da hat man sich Mühe gegeben, uns Knüppel in die Beine zu werfen. Wenn über eine CO2-Steuer geredet wird zum Beispiel. Das verstehen die Leute hier nicht."

Wie soll seine Partei weiter mit der AfD umgehen? "Das muss ich nicht mehr entscheiden. Aber am besten nicht mit der Ideologiekeule auf sie einschlagen. Das bringt gar nichts. Man muss die Partei mit Argumenten entzaubern." Nur – ist er nicht auch daran gescheitert? "Vielleicht habe ich was falsch gemacht. Aber es ist ja nicht gesagt, dass es andere nicht schaffen können."