Und Unruhe kann man gerade jetzt nicht brauchen, wo der Grünenhype der vergangenen zwei Jahre sich allmählich ein bisschen abzukühlen scheint. Zwar stehen die Grünen in Umfragen immer noch bei über 20 Prozent, aber eben doch schwächer da als noch vor wenigen Wochen. Und auch die Wahlen im Osten sind nicht so gut verlaufen, wie zwischenzeitlich erhofft. Wer vor allem auf Stabilität setzt, wird sich wohl eher gegen Özdemir entscheiden.

Echte Gegnerinnen und Gegner hat der Realo Özdemir natürlich unter den Parteilinken. Der linke Parteiflügel werde sich wohl hinter Hofreiter stellen, heißt es, auch wenn es genau wie auf der Seite der Realos keine direkte Wahlempfehlung geben werde. Kappert-Gonther, die ja von den Linken akzeptiert werden müsste, wenn der Realo Özdemir eine Chance haben wollte, wird zwar als Fachpolitikerin geschätzt. Dennoch sind die Linken vergrätzt darüber, dass sie nicht vorher sondiert hat, ob sie die Unterstützung ihres Flügels hat. Verwiesen wird auch auf ihre geringe politische Erfahrung: Gerade mal zwei Jahre Mitgliedschaft in der Fraktion reichten nicht, um gleich die wichtigste Führungsfunktion zu übernehmen.

Wie die Wahl ausgehen wird, dürfte aber auch vom Prozedere abhängen. Am wahrscheinlichsten ist, dass wie bisher zunächst die weibliche Fraktionsvorsitzende gewählt wird und dann ihr Counterpart. In diesem Fall könnte beispielsweise die Wahl von Göring-Eckardt eine Vorentscheidung für Hofreiter sein. Denn ein Team Göring-Eckardt/Özdemir gilt als wenig wahrscheinlich. Da auch die Parteispitze schon mit zwei Realos besetzt ist, wäre der linke Flügel dann nämlich komplett aus der Führung verdrängt. "Das gäbe eine Revolution in der Partei", prophezeit eine Vertreterin der Linken.