Nach den schweren Verlusten der CDU bei den Landtagswahlen in Sachsen und Brandenburg verlangen CSU-Chef und Bayerns Ministerpräsident Markus Söder sowie Schleswig-Holsteins Ministerpräsident Daniel Günther (CDU) ein deutliches Signal aus Berlin. "Natürlich kann man jetzt nicht zur Tagesordnung übergehen. Das Ergebnis der AfD ist viel zu hoch", sagte Söder vor seinem Auftritt auf dem Gillamoos-Volksfest im niederbayerischen Abensberg der Deutschen Presse-Agentur. Es sei entscheidend, die Regierungsarbeit in Berlin zu verbessern und Ergebnisse zu liefern. "Daher ergeht der Appell an die SPD, trotz der innerparteilichen Klärungsprozesse konstruktiv in der Klima- und Konjunkturpolitik an Ergebnissen zu arbeiten."

Günther wiederum forderte vielmehr ein Umsteuern der eigenen Parteispitze. "Rückenwind aus Berlin gab es mit Sicherheit nicht, insofern sind die Ergebnisse des Sonntags auch ein Alarmsignal", sagte der CDU-Landeschef der Welt. "Es wird jetzt darauf ankommen, dass wir auch inhaltlich klare Punkte setzen." Konkret verlangte Günther von Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer und ihrem Generalsekretär Paul Ziemiak, die Ansprache der Wähler neu auszurichten. "Es gelingt uns nicht, einen Teil der Menschen gerade in den neuen Bundesländern an uns zu binden." Die Ansprache sei "offenkundig nicht perfekt".

"Wir verzichten auf überhaupt keine Wählerstimme"

Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer formulierte es deutlicher: Man müsse intensiv gerade um die Wähler der Rechtspopulisten werben. "Wir verzichten auf überhaupt keine Wählerstimme", sagte er vor Sitzungen der CDU-Spitze. Gegen die Meinungsmache im Internet und anderswo helfe nur das unmittelbare Gespräch, das unmittelbare Erleben. "Deswegen: Ran an die Gespräche. Dahin gehen, wo es wehtut", folgerte der CDU-Politiker und ergänzte: "Da haben wir eine ganze Menge zu tun, darüber werden wir jetzt gleich reden."

Aus der Union gibt es für den sächsischen Ministerpräsidenten vor allem Lob für dessen Wahlkampf, der maßgeblich zum Erfolg der CDU in Sachsen beigetragen habe. "Durch den persönlichen Einsatz von Michael Kretschmer hat es am Schluss noch einmal einen klaren Vorsprung für die CDU gegeben", sagte etwa Söder in Abensberg. So hatte sich die CDU am Sonntag auf 32,1 Prozent verschlechtert, ist aber stärkste Kraft geblieben.

Auch Kramp-Karrenbauer schrieb den Wahlsieg der CDU in Sachsen vor allem Regierungschef Kretschmer zu. Erst bezeichnete sie seinen Wahlkampf in einem Tweet als "inspirierend", dann lobte sie den Parteikollegen in der ARD. "Es ist deutlich gewesen, das war das auch wirklich Tolle an diesem Wahlkampf von Michael Kretschmer, dass es eine klare Abgrenzung gab, aber keine Abgrenzung der Angst", sagte die CDU-Bundesvorsitzende und räumte mit Blick auf die Stimmenverluste ihrer Partei in Brandenburg zugleich eigene Versäumnisse ein. Die CDU sei in den vergangenen Monaten über manche Hürden "nicht so elegant" gegangen, "auch ich persönlich".

"Abgrenzung – aber keine Abgrenzung der Angst"

Zugleich bekräftigte sie, dass ihre Partei auch künftig nicht der AfD zusammenarbeiten werde. Auf die Frage, ob die CDU bei der Abgrenzung bleiben könne, obwohl rund jeder vierte sächsische Wähler der AfD seine Stimme gegeben hat, sagte Kramp-Karrenbauer in der ARD: "Ja, wir können. Wir haben das auch festgelegt, auch in den Gremien."

Auch für die kommissarische Vorsitzende der SPD Manuela Schwesig steht die Abgrenzung zur AfD nicht infrage. Die Partei sei – nicht in der Wählerschaft, wohl aber auf Funktionärsebene – "in Teilen rechtsextremistisch". Die SPD-Politikerin, die auch Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern ist, zeigte sich erleichtert, "dass die guten Ministerpräsidenten der Volksparteien ihr Land gegen die AfD verteidigt haben". Zugleich ermahnte sie die Politiker auf Bundesebene dazu, mehr auf die ostdeutschen Ministerpräsidenten zu hören – "denn wir wissen, wo vor Ort der Schuh drückt".

Rücktrittsforderung an Ingo Senftleben

Derweil sieht sich Kretschmers Parteikollege Ingo Senftleben – CDU-Landeschef und Spitzenkandidat seiner Partei in Brandenburg – einer ersten Rücktrittsforderung gegenüber. "Wer solch ein schlechtes Ergebnis eingefahren hat, kann nicht Vorsitzender bleiben", sagte der CDU-Politiker Frank Bommert der Deutschen Presse-Agentur. "Wir müssen neue Wege gehen", so Bommert weiter. Die von Senftleben eingeschlagenen seien eindeutig die falschen gewesen. "Wir waren stärkste Oppositionspartei und haben nun acht Prozent verloren", sagte er. Es sei wohl einmalig in der CDU.