Das UN-Flüchtlingshilfswerk UNHCR begrüßt die Ankündigung von Innenminister Horst Seehofer (CSU), dass Deutschland ein Viertel der in Italien ankommenden Bootsflüchtlinge aufzunehmen bereit sei. "Wir hoffen, dass die deutsche Initiative ein Schritt in Richtung auf ein berechenbares System ist, das die geordnete und zeitnahe Ausschiffung von Menschen ermöglicht, die auf See gerettet werden", sagte eine Sprecherin des UNHCR. Man hoffe, dass andere Länder nun auch Verantwortung übernähmen.

Auch die Hilfsorganisation Pro Asyl nahm Seehofers Zusage positiv auf. Es sei gut, dass Deutschland die Bereitschaft zeige, großzügig nach vorn zu gehen, sagte Geschäftsführer Günter Burkhardt dem RedaktionsNetzwerk Deutschland. Jeder Gerettete sei "ein Impuls gegen die knallharte Politik, die der italienische Innenminister Matteo Salvini durchgezogen" habe.

Gleichwohl fordere Pro Asyl weiter einen Verteilmechanismus für ankommende Bootsflüchtlinge, sagte Burkhardt. Dieser dürfe nicht nur die auf dem hohen Meer Geretteten umfassen, sondern auch jene, die es auf eigene Faust auf maroden Booten bis an die Küsten Europas schafften. "Das gilt also auch für die auf Malta, Zypern oder den griechischen Inseln Gestrandeten." Dieser Mechanismus sei aber noch nicht in Sicht.

"Wir lassen niemanden ertrinken"

Seehofer hatte der Süddeutschen Zeitung gesagt, Deutschland werde jeden vierten Flüchtling einreisen lassen, der nach einer Seenotrettung in Italien gelandet sei. "Das wird unsere Migrationspolitik nicht überfordern." Mit dem Schritt wolle man die neue italienische Regierung entlasten und die Verteilung von Flüchtlingen in Europa voranbringen. "Ich habe immer gesagt, unsere Migrationspolitik ist auch human. Wir werden niemanden ertrinken lassen", hatte Seehofer gesagt.

Der ursprünglich gewünschte Weg, wonach Flüchtlinge zunächst zu Ausschiffungsplattformen in Nordafrika gebracht werden sollten, um dort ihr Asylverfahren abzuwickeln, sei vorerst vom Tisch. "Dazu braucht es ein bis zwei Länder in Nordafrika, die das befürworten. Die gibt es nicht", sagte Seehofer.