Lesen Sie alle Entwicklungen zu den Ergebnissen der Landtagswahlen in Brandenburg und Sachsen in unserem Liveblog.
Und unser Autor Peter Dausend schreibt in einer ersten Analyse, "der Osten ist politisiert wie seit der Wendezeit nicht mehr", und zieht fünf Lehren
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Die sächsische CDU und Brandenburgs SPD haben sich trotz deutlicher Verluste bei den Landtagswahlen als jeweils stärkste Kraft behauptet. In beiden Ländern schaffte es die AfD dank großer Zugewinne auf den zweiten Platz. Auffällig war die hohe Wahlbeteiligung: In Brandenburg stieg sie von 47,9 Prozent im Jahr 2014 auf 61,3 Prozent. In Sachsen lag sie sogar bei 66,6 Prozent und damit ebenfalls deutlich höher als 2014 – damals hatte sie nur 49,2 Prozent betragen.

In Brandenburg erreichte die SPD von Ministerpräsident Dietmar Woidke 26,2 Prozent der Zweitstimmen und positionierte sich damit vor der AfD mit 23,5 Prozent. Die CDU kam auf 15,6 Prozent, die Grünen auf 10,8 und die Linke auf 10,7 Prozent. Während die Freien Wähler genau 5,0 Prozent erreichten, scheiterte die FDP mit ihrem Ergebnis von 4,1 Prozent an der Fünfprozenthürde.

In Sachsen erreichte die CDU 32,1 Prozent der Stimmen, während die AfD auf 27,5 Prozent kam. Die Linkspartei kam lediglich auf 10,4 Prozent, die Grünen auf 8,6 Prozent. Während die SPD auf ein neues bundesweites Rekordtief von 7,7 Prozent fiel, verpasste die FDP mit 4,5 Prozent den Einzug in den Landtag. Nach Berechnungen der ARD kommt die CDU damit im neuen Dresdner Landtag auf 46 Mandate, gefolgt von der AfD mit 37 Mandaten. Die Linkspartei erhält demnach 14 Sitze, die Grünen elf Mandate und die SPD zehn.

"Das freundliche Sachsen hat gewonnen", sagte Regierungschef Kretschmer in einer ersten Reaktion. "Das ist ein guter Tag für unser Land." Die Menschen in Sachsen hätten erkannt, dass es darauf ankomme, wer stärkste Partei werde und den Regierungsauftrag bekomme, sagte er mit Blick auf den Abstand zur AfD, der deutlicher ausfiel, als es sich in Wahlumfragen angedeutet hatte.

In beiden Bundesländern beginnt nun die Suche nach Mehrheiten für eine neue Regierung. Nachdem Sachsen in den letzten fünf Jahren von CDU und SPD gemeinsam regiert wurde, könnte es nun auf eine sogenannte Kenia-Koalition von CDU, SPD und Grünen hinauslaufen. Im zuletzt rot-rot regierten Brandenburg gilt ein rot-grün-rotes Bündnis als möglich. Grünen-Bundeschef Robert Habeck sagte "schwierigste Verhandlungen" voraus. Das Ergebnis sei aber ein "klarer Auftrag, eine andere, eine weltoffene Regierung zu bilden in beiden Bundesländern, aber vor allem in Sachsen".

Auch Woidke zeigte sich, wie sein sächsischer Amtskollege, zunächst erleichtert. "Mir war es wichtig, dass Brandenburg in guten Händen bleibt", sagte er der ARD. "Ich bin erst mal froh, dass das Gesicht Brandenburgs auch in Zukunft ein freundliches bleiben wird." Er wolle nun zügig eine Regierung bilden, sagte Woidke, räumte aber auch ein, dass dies angesichts des Wahlergebnisses eine "große Herausforderung" sei.

AfD und Grüne feiern ihre Ergebnisse, geteiltes Echo bei CDU und SPD

Die SPD auf Bundesebene zog ein geteiltes Fazit aus den Wahlen. Der kommissarische Parteichef Thorsten Schäfer-Gümbel sagte in der Berliner Parteizentrale: "Das ist für die SPD ein Abend mit gemischten Gefühlen." In Brandenburg habe die SPD in den zurückliegenden Wochen gegenüber den Umfragen zehn Prozentpunkte aufgeholt. "Damit konnten wir die AfD als stärkste parlamentarische Kraft verhindern", sagte er. Die Verluste im Vergleich zur Wahl vor fünf Jahren seien aber schmerzlich. Bundesfinanzminister Olaf Scholz erklärte, er freue sich "unheimlich" für seine Partei: "Wir können Wahlen gewinnen, das ist doch die Botschaft, die von heute ausgeht, und darum muss es auch in den nächsten Jahren immer wieder gehen."

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak wertete das Abschneiden in Sachsen als einen "persönlichen Erfolg" Kretschmers. Er habe es geschafft, verloren gegangenes Vertrauen der Wähler wiederzugewinnen, sagte er in Berlin. Die CDU Brandenburg habe es dagegen nicht geschafft, sich in einem polarisierten Wahlkampf "ausreichend Gehör zu verschaffen".

Grünen-Chef Robert Habeck wertete das Abschneiden seiner Partei bei beiden Wahlen als "fantastisches Ergebnis". Auch wenn Umfragen vor den Wahlen zwischenzeitlich auf ein noch besseres Abschneiden hingedeutet hatten, hätten die Grünen "das stärkste Ergebnis, das wir in beiden Ländern je hatten" erzielt, sagte Habeck.

Linke-Chefin Katja Kipping sprach indes von einer herben Niederlage ihrer Partei. "Solche Zahlen schmerzen", sagte die aus Dresden stammende Politikerin. "Ich hätte mir mehr Rückenwind für ein solidarisches Sachsen gewünscht."

Die AfD wertete ihre Wahlergebnisse in Sachsen und Brandenburg als "großartigen Erfolg". "Es wird keine Politik um uns herum mehr möglich sein", sagte der AfD-Spitzenkandidat in Brandenburg, Andreas Kalbitz. Die AfD sei "gekommen, um zu bleiben". Sachsens AfD-Spitzenkandidat Jörg Urban sprach im ZDF von einem "historischen Tag" und bezeichnete seine Partei als "Wahlsieger" des Abends. "Unsere junge Partei hat die CDU-Hochburg Sachsen gehörig ins Wanken gebracht", sagte er. Auch Bundestagsfraktionschefin Alice Weidel sprach von einem "hervorragenden Ergebnis".

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