Es ist ein sehr persönlicher Auftritt von Manuela Schwesig in der Staatskanzlei Schwerin an diesem Dienstagmittag. "Vor einiger Zeit" sei bei ihr Brustkrebs diagnostiziert worden, sagt die gefasst wirkende Ministerpräsidentin von Mecklenburg-Vorpommern mit ruhiger Stimme in die Kamera: Das habe sie und ihre Familie "schwer getroffen, so etwas ist immer ein riesiger Schock". Nun könne sie wieder "halbwegs klar denken", alle notwendigen Voruntersuchungen seien abgeschlossen: "Die gute Nachricht für mich ist: Dieser Krebs ist heilbar." Es sei nicht der erste Kampf in ihrem Leben, den sie führen werde. Sie wolle ehrlich sein, was ihre Erkrankung betrifft, bitte aber um Wahrung ihrer Privatsphäre, was die Details der ambulanten Behandlung betreffe, sagt die 45-Jährige.

Manuela Schwesig - "Wir sind sehr zuversichtlich, dass ich wieder gesund werde" In einer Videobotschaft bedankt sich Manuela Schwesig für die Anteilnahme nach Bekanntmachung ihrer Brustkrebserkrankung. Diese gäbe ihr Kraft und mache Mut. © Foto: Reuters TV/Schwesig/Twitter

"Über einen gewissen Zeitraum" will Schwesig nun ihre Arbeitsbelastung reduzieren und all ihre Kraft "für das Land Mecklenburg-Vorpommern, meine Gesundheit und meine Familie" aufwenden – in dieser Reihenfolge. Sie dankt für die unterstützenden Worte und verweist auf viele starke und berufstätige Frauen, die ihr Schicksal teilten und bewiesen hätten, dass man trotz Krankheit erfolgreich im Beruf sein könne.

Regierungschefin im Norden will sie bleiben, sie habe ihre Ministerinnen und Minister am Morgen gebeten, sie während der Behandlung dann und wann zu vertreten, sagte sie. Den kommissarischen SPD-Vorsitz in Berlin aber, den hat Schwesig mit sofortiger Wirkung abgegeben. Es ist eine Aufgabe, die mit viel Druck, Fernsehauftritten und Nachtsitzungen in Koalitionsausschüssen verbunden ist. Es gibt außerdem kaum ein Thema, zu dem ein SPD-Chef oder eine SPD-Chefin nicht gut vorbereitet sein muss.

Schwesigs Rückzug ist ein großer Einschnitt für die SPD-Spitze. Seit dem überhasteten Rücktritt von Andrea Nahles im Juni hatte Schwesig die Partei gemeinsam mit der rheinland-pfälzischen Ministerpräsidentin Malu Dreyer und dem Hessen Thorsten Schäfer-Gümbel geführt. Schwesig, Dreyer und Schäfer-Gümbel hatten die SPD nach turbulenten Wochen wieder beruhigt. In den vergangenen Tagen hatte die Partei sogar ein wenig Hoffnung geschöpft, dass sie künftig wieder als Zukunftspartei wahrgenommen werden könnte: Die Regionalkonferenzen, in denen sich die 15 Bewerber um den Parteivorsitz im ganzen Land vorstellen, liefen gut und störungsfrei, es gab positive Berichterstattung, die SPD wirkte wie neu belebt. Die drei kommissarischen Vorsitzenden funktionierten gut miteinander und hatten sich die Aufgaben aufgeteilt: Schäfer-Gümbel kümmerte sich um die Leitung der Parteizentrale in Berlin, den Mitgliederentscheid und die Organisation der Regionalkonferenzen zum Parteivorsitz. Malu Dreyer war hauptzuständig für Verhandlungen der SPD im Koalitionsausschuss mit der Union. Schwesig kümmerte sich zuletzt vor allem um die Wahlen in Ostdeutschland, zu ihren Themen gehörte auch das SPD-Prestigeprojekt Grundrente.

Was es jetzt für die SPD besonders kompliziert macht: Nicht nur Schwesig wird die Parteiführung verlassen, sondern auch Schäfer-Gümbel: Er tritt zum Oktober einen neuen Job als Arbeitsdirektor bei der Gesellschaft für Internationale Zusammenarbeit an. Dreyer, die wegen ihrer Multiple-Sklerose-Erkrankung ebenfalls gesundheitlich eingeschränkt ist, wird dann nach jetzigem Stand zwei Monate lang alleine an der SPD-Spitze stehen. Sie werde an ihrem Vorhaben, die Partei bis Dezember kommissarisch zu führen, festhalten und sich nicht noch weitere Unterstützung hinzuholen, kündigte Dreyer an. Schäfer-Gümbel will sie ehrenamtlich unterstützen. Beide sagten bei einem gemeinsamen Auftritt in Mainz, sie hätten "größtes Verständnis" dafür, dass Schwesig nun Prioritäten setzen müsse.