Die geplante Erhöhung der Pendlerpauschale gehört zu den Regelungen des Klimapakets, die am meisten Kritik hervorrufen. Der Protest des Grünen-Vorsitzenden Robert Habeck fiel jedoch auf ihn selbst zurück. In der ARD-Sendung Bericht aus Berlin offenbarte er eine Wissenslücke, was Wirkung und Ausgestaltung der Entfernungspauschale angeht, über die Berufspendler Steuern sparen können.

Die Erhöhung der Pauschale sei ein Anreiz, "möglichst weite Strecken zu fahren", sagte Habeck in der Sendung am Sonntag. "Wenn man den Benzinpreis um drei Cent erhöht, die Pendlerpauschale aber um fünf Cent erhöht, dann lohnt es sich eher, mit dem Auto zu fahren als mit der Bahn." Darauf angesprochen, dass die Pendlerpauschale für alle Verkehrsmittel gelte, kam der Grünen-Chef ins Stottern: "Dann ist es ja nur die Erstattung des Bahntickets, und die … oder wird die dann … das weiß ich gar nicht."

Unter anderem griff Arbeits- und Sozialminister Hubertus Heil (SPD) Habeck an: "Der Grünen-Chef, die Berufspendler und das Klima: Viel Meinung, wenig Ahnung", twitterte er. CSU-Generalsekretär Markus Blume äußerte sich ähnlich: "Hauptsache dagegen, aber keine Ahnung gegen was…" sei das "Prinzip der Grünen", schrieb er bei Twitter. Auch von AfD-Fraktionsvize Leif-Erik Holm kam Kritik: Habeck würde "am liebsten alles verbieten" und "uns 'Landeiern' die Welt erklären wollen", obwohl er "keine Peilung" habe, schrieb er

Die Grünen hatten zuvor die Entscheidungen des Klimakabinetts stark kritisiert. Vorgesehen ist im Paket, die Pendlerpauschale ab dem 21. Kilometer von 2021 an von 30 auf 35 Cent pro Kilometer zu erhöhen. Diesen Betrag darf man pro Arbeitstag von den zu versteuernden Einkünften abziehen, es zählt die einfache Entfernung. Die Regelung soll bis Ende 2026 gelten.

"Natürlich ärger ich mich tierisch, dass mir das unterlaufen ist", sagte Habeck am Tag nach dem Interview. "Ich hatte gestern die genauen Regeln, auf welche Arten Bahnfahrer ihre Kosten bei der Steuer geltend machen können, nicht auf dem Zettel. Das habe ich dann ja auch eingeräumt."

Habeck greift Vorschlag der Umweltministerin auf

Einen Tag später präzisierte er seine Kritik: Die geplante Erhöhung der Pauschale zehre die "ohnehin kaum wahrnehmbare Lenkungswirkung beim CO2-Preis auf Benzin und Diesel in den ersten Jahren komplett auf", sagte er. Gut verdienende Pendler würden sogar steuerlich mehr entlastet als belastet. Weiterhin schaffe sie "keinen neuen Bahnhof, keine zusätzliche Zugverbindung, keinen verlässlicheren Takt, um vom ländlichen Raum bequem zur Arbeit zu kommen".

Spitzenverdiener profitierten stärker, Geringverdiener gingen leer aus, sagte Habeck. Der Vorschlag eines "Energiegeldes", das jeder Bürger pro Kopf bekommen solle, sei deswegen "ökologisch sinnvoller und sozial gerechter". Ein ähnliches Modell hatte auch Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) angeregt.

Das Klimapaket der Bundesregierung soll sicherstellen, dass die CO2-Reduktionsziele bis 2030 erfüllt werden, und sieht unter anderem einen sich schrittweise erhöhenden CO2-Preis, ein Verbot neuer Ölheizungen und einen Ausbau des Ökostroms vor. Klimaaktivisten, Umweltverbände und die Opposition kritisieren das Programm als unzureichend. Die Grünen haben angekündigt, ihren Einfluss im Bundesrat geltend zu machen, um einige Vorschläge zu verändern, so wollen sie zum Beispiel die Beschränkungen für den Bau von Windkraftanlagen lockern.