Die meisten Wähler der AfD sind männlich und Arbeiter. Bei den jungen Wählern zwischen 18 und 29 sind die Grünen und die AfD fast gleich auf und die Linke verliert bei allen Wählergruppen an Stimmen. Die Ergebnisse der Landtagswahl in Brandenburg und Sachsen zeigen, dass es bei bestimmten Wählergruppen immer noch Präferenzen gibt, doch sie sind längst nicht mehr so ausgeprägt.

Wie alt sind die Wählenden? Welchen Beruf und welchen Abschluss haben sie? Wählen mehr Frauen oder Männer die CDU, und wie sind die Unterschiede im Wahlverhalten zwischen Stadt und Land? Die Ergebnisse in Zahlen im Überblick:

Wähler über 60 haben den Sieg der AfD verhindert

In Sachsen und in Brandenburg haben vor allem die Wählerinnen und Wähler über 60 den Ausgang der Wahl entschieden. In Sachsen machten 43 Prozent der älteren Wählergruppe ihr Kreuz bei der CDU, in Brandenburg gaben 37 Prozent der über 60-Jährigen ihre Stimme der SPD. Für überraschende Ergebnisse sorgten die jungen Wähler zwischen 18 und 29 Jahren: Sowohl in Brandenburg als auch in Sachsen lagen in dieser Altersgruppe die Spitzenergebnisse von AfD und Grünen nah beieinander. 

Einige Trends zeichnen sich bei den Wählerinnen und Wählern in Brandenburg deutlich ab: Die meisten Stimmen erhielt die AfD von Brandenburgern im Alter zwischen 30 bis 59 Jahren.

Bei den Wahlberechtigten über 60 wurde die SPD am häufigsten gewählt: 37 Prozent ihrer Stimmen erhielten die Sozialdemokraten von dieser Altersklasse. Die besten Ergebnisse erzielte auch Die Linke in dieser Wählergruppe. Die Union lag bei allen Wählergruppen über 30 Jahren bei 16 Prozent – nur bei den jungen Wählerinnen und Wählern erhielt sie mit nur neun Prozent der Stimmen auffallend wenig Zuspruch.

Bei den jungen Wählerinnen und Wählern zwischen 18 und 29 Jahren waren die Grünen am beliebtesten. Mit 23 Prozent lagen sie aber nur einen Prozentpunkt vor der AfD, die in dieser Altersgruppe die zweitmeisten Stimmen erhielt.

Die größte Überraschung ist die Altersgruppe der AfD-Wählerinnen und -Wähler in Sachsen: Bei den Unter-30-Jährigen wurde die Partei um Landeschef Jörg Urban am häufigsten gewählt. Wie in Brandenburg teilt sich die AfD bei den jungen Wählern die Spitze mit den Grünen. Die CDU bekam von dieser Altersgruppe 17 Prozent der Stimmen.

46,8 Prozent der Wählenden in Sachsen gehören zur Gruppe der 30- bis 59-Jährigen. Sehr viele von ihnen haben die AfD gewählt, aber auch die CDU. Nur bei den Wählern über 60 konnte die CDU alle anderen Parteien deutlich hinter sich lassen: Die Partei von Ministerpräsident Michael Kretschmer holte hier 43 Prozent der Stimmen. 

Wie wählten Frauen und Männer?

30 Prozent der Männer wählten in Brandenburg die AfD, unter den Frauen war es nur jede Fünfte. Die Grünen und die Linke, die als besonders emanzipierte Parteien gelten, erzielten bei Männern und Frauen ähnliche Ergebnisse, ebenso die CDU.

Etwas stärker ist der Unterschied bei den Wahlergebnissen der SPD: 29 Prozent der Frauen gaben den Sozialdemokraten ihre Stimme, unter den Männern nur jeder Vierte.

Die AfD, die in Sachsen eine "Herdprämie" für Frauen einführen will, die ihre Kinder zu Hause betreuen, statt arbeiten zu gehen, erhielt dort 22 Prozent der weiblichen Wählerstimmen. Stärkste Kraft unter den Frauen wurde die CDU, während SPD, Grüne und Linke fast gleichauf lagen.

Bei den Männern schnitt die FDP am schlechtesten ab, die AfD am besten: 33 Prozent der Wähler gaben ihre der Stimme der AfD. Auf Platz zwei landet die CDU.

Wahlverhalten nach Bildungsabschluss

Jeder dritte Sachse mit Hauptschulabschluss wählte die SPD, bei den Wählern mit Hochschulabschluss waren es immerhin noch 28 Prozent. Von Wählerinnen und Wählern mit Mittlerer Reife bekam die AfD so viele Stimmen wie von keiner anderen Gruppe, gefolgt von Menschen mit Hauptschulabschluss – hier machten 28 Prozent ihr Kreuz bei der AfD.

Die Grünen erzielten ihre besten Ergebnisse bei den Sachsen mit Abitur und Hochschulreife – insgesamt immerhin 33 Prozent. Nur drei Prozent der Menschen mit Hauptschulabschluss konnten die Grünen von sich überzeugen, und auch bei den Wählerinnen und Wählern mit Mittlerer Reife punktete die Partei nur bei sieben Prozent.

Die Linke, die früher als Partei des Ostens galt, erzielte gleichmäßig schlechte Ergebnisse – das beste bei den Wählerinnen und Wählern mit Hochschulabschluss. Auch die CDU erhielt von allen Bildungsgruppen ähnlich viele Stimmen – die meisten von den Wählern mit Hauptschulabschluss.

In Sachsen erhielt die AfD von den Wählerinnen und Wählern mit Hochschulabschluss die wenigsten Stimmen. Stattdessen machten 36 Prozent von ihnen ihr Kreuz bei der CDU, aber auch Grüne und Linke schnitten in dieser Wählergruppe besser ab als bei den Sachsen mit anderen Schulabschlüssen.

Die meisten Stimmen erhielt die CDU von den Menschen mit Hauptschulabschluss, am wenigsten von denjenigen mit Abitur. Wählerinnen und Wähler mit Mittlerer Reife wählten die AfD mit 37 Prozent am häufigsten. 

AfD vor allem bei Arbeitern stark 

Der Wahlkampf in Brandenburg und Sachsen wurde vom Thema Kohleausstieg dominiert. In der Lausitz, in der viele Menschen aus beiden Ländern im Braunkohletagebau arbeiten, punktete vor allem der Spitzenkandidat der AfD, Jörg Urban, dessen Wahlkreis in der Lausitz liegt: Unter den Arbeitern holte die Partei am meisten Wählerstimmen. Die CDU, die mit ihrem Spitzenkandidaten Michael Kretschmer versuchte, den Strukturwandel als Zukunftschance für die Region darzustellen, erhielt dagegen von den Arbeitern am wenigsten Stimmen. 

Mehr als jeder dritte Arbeiter in Brandenburg machte sein Kreuz bei der AfD. Doch auch unter den Selbstständigen wurde die AfD stärkste Kraft: Mit 24 Prozent der Stimmen erzielte die AfD bessere Ergebnisse als SPD und CDU, die in dieser Berufsgruppe jeweils 21 Prozent der Wählerstimmen bekamen. 

Die Grünen, die in Sachsen für einen Braunkohleausstieg vor dem geplanten Datum 2038 werben, schnitten in allen Berufsgruppen schlecht ab, bei den Arbeitern erhielten sie nur sechs Prozent der Stimmen. Die Linke bekam, genauso wie die SPD, am meisten Stimmen von den Angestellten und Beamten. Bei den Selbstständigen konnten sich nur wenige für diese Parteien entscheiden: Hier wählten nur acht Prozent die Linke und 21 Prozent die SPD. 

Dass die SPD ihren Status als Arbeiterpartei verloren hat, zeigt sich besonders am Wahlergebnis in Sachsen: Nur sieben Prozent der Stimmen in dieser Gruppe konnten die Sozialdemokraten für sich gewinnen, 35 Prozent der Arbeiter stimmten dagegen für die AfD.

Bei Angestellten und Beamten wurde die CDU stärkste Kraft, auch die Selbstständigen machten ihr Kreuz am häufigsten bei der Unionspartei. Grüne und SPD erzielten in allen Berufsgruppen recht ähnliche Ergebnisse – am besten schnitten beide Parteien bei den Beamten in Sachsen ab. 

In Leipzig, wo knapp 2.000 Menschen auf einem Quadratkilometer leben, bekamen die Grünen rund ein Drittel der Zweitstimmen. Auch in anderen wachsenden Wahlkreisen wurde oft grün gewählt. In den ländlichen, schwach besiedelten Regionen Sachsens wie Bautzen, dem Erzgebirge oder Görlitz wurden die Grünen nur noch selten gewählt. 

In den Gebieten, in denen die Bevölkerungszahl geschrumpft ist, ging die AfD als klarer Wahlsieger hervor: Mit 36,9 Prozent machten in der Sächsischen Schweiz die meisten Menschen ihr zweites Kreuz bei der AfD. In Leipzig, wo es 2017 einen Zuzug von 18 Prozent pro 1.000 Einwohner gab, gaben nur 13,9 Prozent ihre Zweitstimme der AfD.

Erklären lässt sich dieses Wahlverhalten mit den Ängsten und Bedürfnissen, die vor allem in den ländlichen Regionen vorherrschen: Schulen und Arztpraxen schließen, der Bus fährt weniger oft. Vor allem in den Landkreisen, in denen sich Menschen strukturell abgehängt fühlen, entschieden sich die Wähler gegen die Grünen – und für die AfD. 

Bei der Europawahl schnitt die AfD beispielsweise in der schrumpfenden Ruhrgebietsstadt Gelsenkirchen viermal so gut ab wie in der nur wenige Kilometer entfernten boomenden Universitätsstadt Münster. In Sachsen gibt es besonders viele schrumpfende Wahlkreise – und damit tendenziell auch mehr Menschen, die ihre Interessen am ehesten von der AfD vertreten sehen, am wenigsten jedoch von den Grünen.

Ähnliche Daten, die das Wählerverhalten in Brandenburg mit Bevölkerungsdichte und -wachstum in Beziehung setzen, liegen nicht vor.