Die Bundesregierung hat 547 Millionen Euro bereitgestellt, mit denen die deutschen Wälder nach schweren Schäden durch Trockenheit und Schädlinge aufgeforstet und besser gegen den Klimawandel gewappnet werden sollen. Landwirtschaftsministerin Julia Klöckner (CDU) hat in Aussicht gestellt, dass dieses Geld in den kommenden vier Jahren ausgegeben werden könne. Zusammen mit Ländermitteln beläuft sich der Betrag für die Aufforstung von insgesamt 180.000 Hektar geschädigter Waldfläche auf 800 Millionen Euro.

Beim "Nationalen Waldgipfel" ihres Ministeriums sagte Klöckner vor Vertretern von mehr als 170 Interessengruppen und Institutionen, der Klimawandel habe den Wald schneller getroffen als erwartet, die Konferenz sei daher ein "Krisengipfel". Ursprünglich sei man von 110.000 Hektar geschädigten Waldes ausgegangen. Grund für den größeren Schaden sind Zerstörungen durch Stürme, Borkenkäfer und die extreme Dürre des vergangenen Jahres. Auch in diesem Jahr ist es vielerorts zu trocken gewesen. Mit Millionen von Bäumen will die Bundesregierung den Wald nun aufforsten.

Geschädigte Bäume müssten schnell herausgebracht werden, sagte Klöckner. Der Wald solle aber keinesfalls leergefegt werden, da Totholz Lebensraum und Nahrungsquelle sei. Unfallgefahren seien aber zu vermeiden. Nötig sei auch eine "stringentere Jagd", damit Baumsprösslinge nicht gleich wieder von Rehen gefressen werden. Auch eine systematische Erfassung von Waldschäden in ganz Deutschland soll eingeführt werden.

Waldbesitzer begrüßen die bereitgestellten Mittel

Der Präsident des Deutschen Forstwirtschaftsrats Georg Schirmbeck nannte die 547 Millionen Euro des Bundes einen wesentlichen ersten Schritt. Für die Zukunft werde aber deutlich mehr Geld gebraucht. Zusammen mit dem Waldeigentümerverband AGDW hatte der Forstwirtschaftsrat im August rund 2,3 Milliarden Euro gefordert. Der Eigentümerverband Familienbetriebe Land und Forst begrüßte die in Aussicht gestellten Hilfen. "Diese Mittel müssen jetzt schnell und unbürokratisch im Wald ankommen", sagte Verbandschef Max von Elverfeldt.

Die Umweltorganisation Greenpeace sprach sich, wie bereits zuvor, für einen "grundlegenden Wandel in der Forstpolitik" aus. Das bereitgestellte Geld solle für eine "naturnahe Waldnutzung" eingesetzt werden. Private Waldbesitzer bräuchten entsprechende finanzielle Anreize. Ähnlich sah es Umweltministerin Svenja Schulze (SPD). Sie sprach sich dafür aus, staatliche Fördermittel nur an Waldbesitzer mit einer ökologischen Ausrichtung zu zahlen. "Fördermittel aus Steuergeldern soll es für die Waldbesitzer geben, die ihre Flächen vor allem am Nutzen für Natur und Klimaschutz ausrichten und nicht an der Holzproduktion", schrieb sie bei Twitter.

Die FDP hat Klöckners Waldgipfel als "ideenlos" kritisiert. Er komme zudem zu spät, sagte der Bundestagsabgeordnete und Sprecher der FDP-Fraktion für Forst und Jagd Karlheinz Busen. Die Bundesregierung hätte "längst" eine Taskforce einsetzen müssen. Der Grünen-Agrarpolitiker Harald Ebner sagte, mehr Geld sei wichtig und richtig, es müsse aber vernünftig eingesetzt werden. "Die Millionen jetzt einfach wie Herbstlaub in der Fläche zu verstreuen für Pflanzungen mit fragwürdigen Erfolgsaussichten und unklarer Zielrichtung, wäre herausgeworfenes Geld." Der Wald müsse auch eine Chance bekommen, sich selbst zu erneuern.

Waldgipfel - Eine halbe Milliarde Euro für Waldschutz Landwirtschaftsministerin Klöckner plant angesichts der Schäden durch Brände und Dürre Nothilfe für Wälder. Waldbesitzer forderten 2,3 Milliarden Euro Soforthilfe. © Foto: Bernd von Jutrczenka