Landtagswahlen 2021 - Kretschmann tritt für dritte Amtszeit in Baden-Württemberg an Winfried Kretschmann ist der erste und bisher einzige Ministerpräsident der Grünen.

Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) will bei der Landtagswahl 2021 erneut antreten. Das kündigte der Landesverband der Grünen per Twitter an. Kretschmann hatte vor den Sommerferien gesagt, seine Entscheidung bis zum Landesparteitag am 21. und 22. September öffentlich zu machen.

Seine Bewerbung um eine dritte Amtszeit als Ministerpräsident erklärte Kretschmann in einem "Brief an die Bürgerinnen und Bürger". Dort sprach er Themen wie Digitalisierung, emissionsfreies Fahren, Bildung und Klimaneutralität an. Weiterhin versprach er darin, das Jahr 2020 "nicht mit Wahlkampf zu vertun".

Die aus Baden-Württemberg stammende Parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen im Bundestag Franziska Brantner zeigte sich erfreut über Kretschmanns Entscheidung. "Ich bin sehr froh, dass er noch mal antreten will", sagte sie ZEIT ONLINE. Das ganze Land stehe vor der schwierigen Aufgabe, effektiven Klimaschutz mit einer starken Wirtschaft und sozialem Ausgleich zu verbinden. "Wenn wir das in Baden-Württemberg schaffen, ist das ein weltweites Vorbild und Ansporn", sagte sie. Kretschmann sei aufgrund seiner großen Beliebtheit und seiner politischen Erfahrung der richtige Ministerpräsident. Er könne gleichermaßen mit der Wirtschaft als auch mit einem breiten Spektrum der Bürgerinnen und Bürger reden. Sein Alter sei kein Hindernis. Am Ende der kommenden Legislaturperiode wäre Kretschmann zwar 77 Jahre alt, aber "in dem Alter hat Adenauer erst angefangen", sagte Brantner. Ein Nachfolger werde sich zu gegebener Zeit schon finden. "Winfried Kretschmann ist auch nicht als Ministerpräsident geboren."

Kein Nachfolger in Sicht

Kretschmann regiert Baden-Württemberg seit 2011. In seiner ersten Amtszeit führte er eine Koalition mit der SPD, seit 2016 ist die CDU sein Koalitionspartner. Im Vorfeld seiner Ankündigung wurde darüber spekuliert, ob der 71-Jährige erneut antreten wird. Als möglicher Nachfolger galt lange Zeit der Tübinger Bürgermeister Boris Palmer. Wegen seiner umstrittenen Äußerungen zu Integration und Flüchtlingspolitik gilt er jedoch mittlerweile in der Partei als chancenlos.

Der ehemalige Parteichef Cem Özdemir, der ebenfalls aus Baden-Württemberg stammt und sich aktuell für die Fraktionsspitze im Bundestag bewirbt, wurde auch als möglicher Kandidat gehandelt. Durch seine Kandidatur habe Özdemir jedoch klar gemacht, dass  seine Zukunft in der Bundespolitik sehe, heißt es bei den Grünen. Özdemir hat Kretschmann per Twitter zur Entscheidung, erneut zu kandidieren, gratuliert.

Mit Kretschmanns erneuter Kandidatur stellt sich die Nachfolgefrage nun vorerst nicht mehr. Bei den Grünen geht man davon aus, dass Kretschmann nicht nur für einen Teil der kommenden Legislaturperiode weitermachen will. Vielmehr wird damit gerechnet, dass Kretschmann, wenn er erneut siegen sollte, auch den Anspruch habe, die ganzen fünf Jahre Ministerpräsident zu bleiben.

Deutschlands beliebtester Ministerpräsident

Laut einer im Juli veröffentlichten Forsa-Umfrage ist Kretschmann der beliebteste Ministerpräsident in Deutschland. 73 Prozent der Baden-Württemberger sind mit seiner Arbeit zufrieden. Sein Beliebtheitswert ist damit über einen langen Zeitraum stabil; im August 2018 lag er bei 74 Prozent.

Bei den befragten Grünen-Anhängern sind 89 Prozent mit Kretschmann zufrieden - aber auch eine große Mehrheit der Anhänger der CDU (74 Prozent) und der SPD (72 Prozent).