Die Bundesregierung hat einen Gesetzentwurf zur Einführung einer bundesweiten Statistik zur Wohnungslosigkeit beschlossen. Erstmals sollen so verlässliche Daten über Ausmaß und Struktur von Wohnungslosigkeit in ganz Deutschland erhoben werden, wie das Bundesministerium für Arbeit und Soziales mitteilte. Wohnungslosigkeit sei "eine besonders schwere Form von Armut und sozialer Ausgrenzung". Bisher habe es große Unterschiede zwischen existierenden Schätzungen und Statistiken der Länder gegeben. Als wohnungslos gelten neben Obdachlosen, die auf der Straße leben, auch Menschen, die in Sammelunterkünften leben.

Der Gesetzentwurf sieht vor, dass das Statistische Bundesamt ab 2022 jährlich eine Statistik über untergebrachte wohnungslose Menschen vorlegt. Erfasst werden dabei Wohnungslose, die Leistungen zur Unterbringung in Anspruch nehmen. Zudem sollen Daten wie Geschlecht, Alter, Staatsangehörigkeit, Haushaltstyp und -größe, die Art der Unterkunft sowie das Datum des Beginns der Unterbringung erhoben werden.

Neben der Statistik will die Bundesregierung mindestens alle zwei Jahre einen Bericht über Obdachlosigkeit in Deutschland vorlegen, der in Zusammenarbeit mit Wissenschaft und Fachverbänden entsteht und alle vorliegenden Informationen in diesem Bereich zusammenträgt.

Etwa 860.000 Wohnungslose in Deutschland

Der Armutsexperte der Grünenfraktion, Wolfgang Strengmann-Kuhn, nannte die Einführung der Wohnungslosenstatistik einen "ersten Schritt". Es sei jedoch "unerlässlich, weiter zu gehen". "Der Bund muss gemeinsam mit den Ländern und Kommunen einen gemeinsamen Aktionsplan erarbeiten, der sich dem ambitionierten Plan verschreibt, die Obdachlosigkeit bis 2030 komplett zu beseitigen", sagte Strengmann-Kuhn.

Die Bundesarbeitsgemeinschaft Wohnungslosenhilfe schätzte die Zahl der Wohnungslosen in einer 2017 vorgelegten Studie bundesweit auf 860.000. Ganz auf der Straße ohne jegliche Unterkunft lebten demnach etwa 52.000 Menschen. Wegen der rasch steigenden Wohnkosten sagte die Arbeitsgemeinschaft einen starken Anstieg der Betroffenenzahl voraus.