Politiker von FDP und Grünen verlangen vom Bundesnachrichtendienst (BND), ein kürzlich bekannt gewordenes Video des Berliner Weihnachtsmarktattentäters Anis Amri an den zuständigen Untersuchungsausschuss des Bundestags zu übergeben. "Ich erwarte, dass die Bundesregierung hier alle Hebel in Bewegung setzt, um die Freigabe der Aufnahme zu erreichen", sagte der FDP-Obmann im Ausschuss, Benjamin Strasser, der Nachrichtenagentur AFP.

"Offenbar droht Amri in dem Video schon im November 2016 mit der Waffe, die den Anschlag erst ermöglicht hat und deren Herkunft bis heute durch die Sicherheitsbehörden nicht zweifelsfrei geklärt wurde", sagte Strasser. Dem Untersuchungsausschuss müsse "so hochbrisantes Beweismaterial zugänglich gemacht werden".

Auch der Grünen-Innenexperte Konstantin von Notz, stellvertretendes Mitglied in dem Ausschuss, verlangte die Herausgabe des Videos. "Dieses wesentliche Beweisstück" sei eine relevante Information, "die man uns nicht so einfach vorenthalten kann", sagte er im Deutschlandfunk.

Süddeutsche Zeitung, NDR und WDR hatten am Mittwochabend berichtet, die rund elf Sekunden lange Videoaufnahme Amris sei im November 2016 entstanden, also nur wenige Wochen vor dem Anschlag auf dem Berliner Breitscheidplatz am 19. Dezember 2016 mit zwölf Toten. Das Video sei dem BND von einem ausländischen Geheimdienst übermittelt worden und zeige, wie Amri mit Attentaten drohe.

Bundesregierung werde nur den Ausschüssen berichten

Die Bundesregierung wollte öffentlich keine Stellung zu dem Video oder der Frage von dessen Freigabe nehmen. Es gehe um "sehr konkrete Aspekte der operativen nachrichtendienstlichen Zusammenarbeit" mit anderen Staaten, sagte Regierungssprecher Steffen Seibert. Darüber berichte die Regierung nur den zuständigen, geheim tagenden Parlamentsausschüssen.

Zugleich versicherte Seibert, die Bundesregierung habe ein "unbedingtes Interesse" an der Aufklärung des Weihnachtsmarktanschlags. Der Untersuchungsausschuss werde so umfassend informiert, "wie es rechtlich möglich ist".