Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) hat den Anschlag von Halle mit zwei Toten als "Angriff auf die Menschenwürde und unsere freiheitliche Demokratie" bezeichnet. "Der Terroranschlag von Halle war ein Angriff auf uns alle", sagte Haseloff in einer Regierungserklärung vor dem Magdeburger Landtag. Der Antisemitismus sei "eine Gefahr für die grundlegenden Werte unserer Demokratie".

"Im Jahr 2019 feiern Juden in Deutschland an Jom Kippur in ihrer Synagoge, und sie müssen um ihr Leben fürchten – 75 Jahre nach der Schoa", sagte Haseloff. "Dafür schäme ich mich – auch dem Letzten muss nun klar geworden sein: Deutschland hat ein Antisemitismus- und Rechtsextremismusproblem."

Der Magdeburger Regierungschef nannte den Kampf gegen den Antisemitismus eine "gesamtgesellschaftliche Aufgabe". Staatliche und zivilgesellschaftliche Einrichtungen und Organisationen seien gleichermaßen in der Pflicht. "Es geht darum, deutlich zu machen, wofür unser Land steht – für den uneingeschränkten Schutz jüdischen Lebens, daran darf es nicht den geringsten Zweifel geben."

Sondertrikot zur Erinnerung an die Opfer

Der mutmaßliche Halle-Attentäter Stephan B. hatte am 9. Oktober während der Feierlichkeiten zum jüdischen Feiertag Jom Kippur versucht, bewaffnet in die Synagoge der Stadt an der Saale einzudringen. Nachdem ihm dies nicht gelang, erschoss er den Ermittlungen zufolge auf offener Straße zwei Menschen und verletzte zwei weitere schwer. Der 27-Jährige sitzt in Untersuchungshaft und gestand die Tat.

Der Hallesche FC will der Opfer am kommenden Samstag beim Drittliga-Heimspiel gegen den SV Meppen unter anderem mit einem speziellen Sondertrikot gedenken. Die Fußballmannschaft werde ganz in Schwarz anstelle in Rot-Weiß auflaufen, das Trikot solle den Aufdruck "Zusammen gegen Gewalt, Rassismus und Antisemitismus" tragen, teilte der Club mit. Der Deutsche Fußball-Bund habe dem Antrag auf eine Ausnahmegenehmigung zugestimmt.

Die Trikots werden zugunsten der gemeinsamen Aktion der Halleschen Sportvereine mit den Saale Bulls (Eishockey), Union Halle-Neustadt (Handball) sowie Gisa Lions (Basketball) versteigert. Vertreter der vier Clubs werden sich im Rahmen des Spiels wie schon bei Partien in den anderen Sportarten hinter einem Banner postieren. Zudem soll es eine Schweigeminute geben. Eines der Opfer war Fan des HFC gewesen.

Zehnpunkteplan der Regierung

Auch die Bundesregierung will Konsequenzen aus dem Vorfall ziehen. Das Kabinett werde am kommenden Mittwoch ein Konzept zum Kampf gegen den Rechtsextremismus beschließen, kündigte Innenminister Horst Seehofer (CSU) an. Das Kabinett will sich damit laut Seehofer hinter die Beschlüsse der Länder-Innenminister vom vergangenen Freitag stellen.

Die Minister hatten bei einem Sondertreffen nach dem Terroranschlag ein Zehnpunktepapier verabschiedet. Es sieht etwa einen besseren Schutz jüdischer Einrichtungen, Verschärfungen beim Waffenrecht und mehr Prävention vor.