Zehntausende Azubis sollen künftig besser bezahlt werden: Der Bundestag hat die Einführung eines Mindestlohns für Auszubildende beschlossen. Ab 2020 sollen sie im ersten Lehrjahr monatlich mindestens 515 Euro bekommen. Anfang 2021 soll die Vergütung dann auf 550 Euro steigen, 2022 auf 585 Euro und 2023 auf 620 Euro. Auch im zweiten und dritten Ausbildungsjahr gibt es mehr. Ab 2024 soll der Azubi-Mindestlohn dann automatisch mit der Entwicklung der Lehrlingsgehälter steigen. Zudem sollen die betrieblichen Lernmittel komplett vom Arbeitgeber bezahlt werden.

Das sogenannte Gesetz zur Modernisierung und Stärkung der beruflichen Bildung wurde vom Bundestag mit den Stimmen der Fraktionen von Union und SPD bestätigt. AfD und FDP stimmten dagegen, Linke und Grüne enthielten sich. Die Bundesregierung will mit dem Gesetz die Berufsausbildung attraktiver machen und Abbrecherzahlen verringern. Bildungsministerin Anja Karliczek (CDU) sagte im Bundestag, dass die duale Ausbildung neben "Made in Germany" ein Markenzeichen Deutschlands sei. Erfolg sei aber kein Selbstläufer, sagte sie mit Verweis auf nicht besetzte Lehrstellen.

Von der geplanten Mindestvergütung könnten langfristig rechnerisch rund 115.000 Menschen profitieren. So viele Azubis verdienten jedenfalls nach Zahlen der Bundesagentur für Arbeit Ende 2017 weniger als 500 Euro im Monat, viele davon sogar weniger als 400 Euro. Betroffen sind vor allem Auszubildende in Berufen wie dem Friseurhandwerk sowie in Ostdeutschland.

Die Gewerkschaft IG Bau begrüßte die Mindestvergütung. 515 Euro im ersten Ausbildungsjahr sei aber noch "deutlich zu wenig". Hier müsse der Gesetzgeber nachlegen. Die Gewerkschaft NGG teilte mit, sie erhoffe sich von diesen neuen Regeln insbesondere bei den "Berufen mit hohen Abbrecherquoten", also im Lebensmittelhandwerk und im Gastgewerbe, eine deutliche Verbesserung.

Ausnahmen von der Mindestvergütung sind künftig dennoch möglich, wenn Arbeitgeber und Gewerkschaften für einzelne Branchen eigene Vereinbarungen treffen. Der Bundesrat muss der Reform noch zustimmen.

Neue Bezeichnungen vorgesehen

Das Gesetz sieht außerdem die Einführung neuer Bezeichnungen für die berufliche Fortbildung vor. Laut der Bundesregierung soll damit die internationale Wettbewerbsfähigkeit der Abschlüsse gesichert werden. Künftig soll es die Fortbildungsabschlüsse "geprüfte/r Berufsspezialist/in", "Bachelor Professional" und "Master Professional" geben. Außerdem sollen Ausbildungen in Teilzeit ermöglicht werden.

Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) sieht in den neuen Bezeichnungen ein "starkes Signal für die Gleichwertigkeit der beruflichen und der akademischen Bildung". Auch das Handwerk sprach von "attraktiven und international verständlichen Fortbildungsstufenbezeichnungen". 

Der Handelsverband warnte allerdings vor "Verwirrung" bei der Einführung der neuen Bezeichnungen sowie vor Mehrkosten für die Betriebe durch Freistellungen aller Auszubildenden an Berufsschultagen. Eine Mehrbelastung drohe auch durch die vorgesehenen bezahlten Freistellungen von Prüfern.