Die Nachwuchsorganisation von CDU und CSU will den nächsten Kanzlerkandidaten von den Mitgliedern in einer Urwahl bestimmen lassen. Gegen die Empfehlung führender Unionspolitiker stimmten die Delegierten der Jungen Union auf ihrem Deutschlandtag in Saarbrücken mit etwa 61,4 Prozent für einen entsprechenden Antrag. Die Junge Union will den Antrag nun auf den bevorstehenden Parteitagen von CDU und CSU zur Abstimmung einbringen.

Traditionell hat bei der CDU die oder der Vorsitzende das Zugriffsrecht auf die Kandidatur. Eine Urwahl würde bedeuten, der Parteivorsitzenden Annegret Kramp-Karrenbauer dieses etablierte Anrecht zu nehmen. Die Antragssteller bei der Jungen Union hatten ihr Vorgehen unter anderem mit den schlechten Wahl- und Umfrageergebnissen der Partei begründet. Von einer Urwahl versprechen sie sich eine Mobilisierung der Basis. Gegner hatten dagegen vor internem Streit und Selbstbeschäftigung gewarnt.

Annegret Kramp-Karrenbauer ist dagegen

Mit dem Beschluss stellte sich die Junge Union zudem mit großer Mehrheit gegen den ausdrücklichen Wunsch von Kramp-Karrenbauer. Kramp-Karrenbauer hatte zuvor eine Urwahl des künftigen Kanzlerkandidaten durch die Mitglieder wiederholt deutlich abgelehnt. "Ich selbst bin eine wirklich tiefe, überzeugte Verfechterin des repräsentativen Systems", sagte sie bei einer Auslandsreise als Verteidigungsministerin in Riga. Ihre Ablehnung gelte "für das Parlament, das gilt aber auch für die Entscheidungen in meiner eigenen Partei. Das war so und das ist auch so."  

Es stehe der JU frei, ihren Beschluss beim CDU-Bundesparteitag Ende November in Leipzig einzubringen, sagte Kramp-Karrenbauer. Im Tagesspiegel sagte sie ergänzend: "Im Übrigen habe ich im letzten Jahr gezeigt, dass ich vor keinem demokratischen Auswahlverfahren Angst haben muss." Kramp-Karrenbauer hatte sich bei der Wahl für den CDU-Vorsitz gegen Friedrich Merz und Jens Spahn durchgesetzt.  

Jubel für Friedrich Merz

Die Entscheidung der JU für eine Urwahl bedeutet nun allerdings noch nicht, dass ein solches Verfahren Wirklichkeit wird. Zum einen hat sich neben Kramp-Karrenbauer auch der CSU-Vorsitzende Markus Söder dagegen ausgesprochen. Zum anderen ist unklar, wie der CDU-Parteitag Ende November über einen entsprechenden Antrag entscheiden würde. Nach dem Votum der JU dürfte aber klar sein, dass sich der Parteitag in Leipzig am 22. und 23. November mit dem Thema befassen muss.

Bei dem Deutschlandtag der Jungen Union trat auch Ex-Unionsfraktionschef Friedrich Merz (CDU) auf. Dieser
rief in seiner Rede vor der Abstimmung zum Zusammenhalt auf und kündigte außerdem sein weiteres Engagement für die CDU an. Merz bekam viel Beifall von den Delegierten, für etliche unter ihnen gilt er offenbar weiterhin als großer Hoffnungsträger der Union.

Kramp-Karrenbauer wird erst zum Abschluss des Treffens am Sonntag vor den Delegierten sprechen.