Eine Gruppe von 15 CDU-Bundestagsabgeordneten hat scharfe Kritik an den jüngsten Attacken aus den eigenen Reihen auf Bundeskanzlerin Angela Merkel und Parteichefin Annegret Kramp-Karrenbauer geübt. "Das Verhalten Einzelner war extrem schädlich für die CDU und selbstzerstörerisch", heißt es in dem Schreiben, das einer der Initiatoren, der CDU-Außenpolitiker Norbert Röttgen, am Mittwoch auf Facebook und Twitter veröffentlichte.

"Die vorgebrachten Attacken waren ebenso politisch kopflos wie maßlos in Stil und Inhalt", heißt es in dem Text weiter, ohne dass deren Urheber - besonders der frühere Unionsfraktionschef Friedrich Merz - namentlich genannt werden. "Wir fordern als Bundestagsabgeordnete der CDU, die ihr Mandat verantwortungsvoll durch konkrete Arbeit wahrnehmen, alle in der Partei auf, dieses Verhalten sofort einzustellen", fordern die Unterzeichner.

Die Unterzeichner räumen allerdings auch ein: "Ohne jeden Zweifel muss die CDU ihren Kurs der inhaltlichen Erneuerung entschlossener und grundlegender angehen." In der Diskussion der vergangenen Tage habe es jedoch "keinen einzigen substanziellen Beitrag zur Erneuerung der CDU gegeben". Umso mehr seien "substanzielle Vorschläge, die eine christdemokratische Antwort auf die modernen Herausforderungen geben", von allen "uneingeschränkt willkommen".

Unterstützt wird der Aufruf außer von Röttgen auch von den Abgeordneten Sybille Benning, Thomas Gebhart, Ursula Groden-Kranich, Rüdiger Kruse, Katja Leikert, Karsten Möring, Andreas Nick, Martin Patzelt, Patrick Schnieder, Johann Wadephul, Sabine Weiss, Bettina Wiesmann, Elisabeth Winkelmeier-Becker und Matthias Zimmer.

SPD als mahnendes Beispiel

Merz hatte Merkel vorgeworfen, "dass sich seit Jahren über dieses Land wie ein Nebelteppich die Untätigkeit und die mangelnde Führung durch die Bundeskanzlerin legt". Auch der frühere hessische Ministerpräsident Koch kritisierte Merkel. Der Chef der Jungen Union, Tilman Kuban, hatte dagegen den Führungsanspruch von Kramp-Karrenbauer infrage gestellt.

Zu denen, die sich gegen Personaldebatten aussprechen, gehörte am Mittwoch auch Unionsfraktionsvize Carsten Linnemann. "Die SPD soll uns ein mahnendes Beispiel sein", sagte er dem Nachrichtensender n-tv. Die CDU müsse von der Personaldebatte wegkommen, hin zu einer "Zukunftsdebatte". Seine Kollegin Leikert, die zu den Unterzeichnerinnen der Erklärung gehört,  betonte im Deutschlandfunk, sie erwarte einen angemessenen Umgang mit Parteikollegen und "Respekt vor denjenigen, die in gewählten Positionen sind".

Darüber hinaus sorgten auch Gedankenspiele von CDU-Europapolitiker Elmar Brok über einen CSU-Kanzlerkandidaten bei der Schwesterpartei für Verwunderung. Die Frage stelle sich in der aktuellen Lage nicht, hieß es aus dem Vorstand in München. Die CDU müsse vielmehr schnell ihre Personalquerelen beenden, damit die Union bei der nächsten Bundestagswahl überhaupt noch ein Ergebnis erzielen könne, das den Einzug ins Kanzleramt sichert.