Delegierte auf dem CSU-Parteitag in München haben mit massivem Widerstand eine verpflichtende Ausweitung der Frauenquote auf Kreisebene verhindert. Angesichts einer sich abzeichnenden Abstimmungsniederlage in diesem Punkt der Parteireform schwächte die CSU-Führung die geplante verpflichtende Quote von 40 Prozent zu einer Soll-Bestimmung ab. Nach diesem Kompromiss stimmte der Parteitag dem Leitantrag zur Parteireform am Ende mit großer Mehrheit zu.

Damit ist die Parteispitze um den Vorsitzenden Markus Söder und den Generalsekretär Markus Blume knapp einer schweren Niederlage entgangen. Die Quote, die bisher im Landesvorstand und den Bezirksvorständen gilt, soll zwar auch für Kreisvorstände das Ziel sein. Aber eben nur ein Ziel, sie wird nicht verpflichtend. Mit diesem Kompromissvorschlag der Frauen-Union gelang es gerade noch, ein Scheitern des Leitantrags zu verhindern. Markus Söder selbst musste am Ende der Debatte für den Kompromiss werben. 

Nach dessen Wiederwahl als Parteichef stand der CSU-Parteitag am Samstag ganz im Zeichen der großen Parteireform. Der Leitantrag des Vorstands hat neben der Stärkung von Frauen in der Partei das Ziel, die CSU moderner, jünger und zur führenden Digitalpartei in Deutschland zu machen. Die Reform soll die von Söder für das laufende Jahr vorgegebene Erneuerung der Partei abschließen. Die CSU hofft, dass sie damit bei den kommenden Wahlen unter den Neu- und Jungwählern mehr Erfolge verbuchen können wird. Bislang hat die Partei nur gut 20 Prozent weibliche Mitglieder.

Keine Urwahl für Kanzlerkandidaten

Markus Blume hatte die geplante Reform am Morgen als Notwendigkeit und Verpflichtung bezeichnet. Man müsse die Partei für die Herausforderungen der Zeit fit machen. Eine lange Tradition zu haben sei keine Garantieerklärung für die Zukunft. Denn Volkspartei zu sein sei kein Geschenk, sondern harte Arbeit.

Die Reform war am Freitag beim Auftakt des Parteitages von der Basis etwa wegen mangelnder Transparenz und Mitsprachemöglichkeiten kritisiert worden, auch am Samstag wurde insbesondere um die Frauenquote noch heftig gestritten.

Am frühen Nachmittag sprach auch die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer als Gast in der Olympiahalle in München auf dem CSU-Parteitag. Söder hatte in den vergangenen Tagen wiederholt betont, seine Partei werde die in der Union durchaus umstrittene Verteidigungsministerin sehr herzlich begrüßen. Söder und Kramp-Karrenbauer pflegen ein sehr vertrauensvolles Verhältnis und bemühen sich seit Monaten um eine enge Kooperation der beiden Schwesterparteien.

Ferner hatte die CSU sich mit großer Mehrheit gegen eine Urwahl des Kanzlerkandidaten der Union ausgesprochen. Die Junge Union hatte gefordert, dass der Kanzlerkandidat von CSU und CDU nicht mehr von den Spitzen der Schwesterparteien vorgeschlagen, sondern von allen Mitgliedern gewählt werden soll. Söder und Kramp-Karrenbauer lehnten dies dagegen ab. Bereits vor einer Woche hatte die Junge Union auf Bundesebene gefordert, den Kanzlerkandidaten von CDU und CSU per Urwahl zu bestimmen. Darin sehen viele in der Union den Versuch, eine Kandidatur Kramp-Karrenbauers zu verhindern.

Die CSU streamt den Parteitag aus München live: