Die Gruppe Extinction Rebellion (XR) demonstriert in Berlin mit Verkehrsblockaden für mehr Klimaschutz und gegen das Artensterben. Die Auswirkungen der Proteste blieben aber zunächst gering. Laut Polizei nahmen etwa 3.000 Protestierende an zwei Aktionen am Potsdamer Platz und an der Siegessäule teil. Auf dem Potsdamer Platz stellten sie Blumentöpfe, Sofas, Tische und Stühle auf die Kreuzung und sperrten den Verkehrsknotenpunkt. Am Nachmittag forderte die Polizei die Aktivisten öffentlich auf, den Platz freizugeben. Nach drei Durchsagen gingen Polizistinnen und Polizisten auf die am Boden sitzenden Menschen zu und forderten sie auf, zu gehen. Wenig später begann die Polizei mit der Räumung des Platzes. Die Protestierenden wurden einzeln weggetragen, die Beamten überprüften Personalien. Die Stimmung blieb friedlich.

Spontan blockierte eine Gruppe von Aktivisten zudem vorübergehend eine Straße am Tiergartentunnel. Begonnen hatte der Protest am Montagmorgen an der Siegessäule in Berlin-Tiergarten mit einer unangemeldeten Kundgebung. Nach Polizeiangaben vom Morgen besetzten dort 1.000 Menschen den Kreisverkehr, die Veranstalter sprachen später von etwa 1.200. Die Aktivistinnen und Aktivisten stellten eine Arche aus Holz auf. Sie soll an das Artensterben erinnern.

Als Rednerin trat an der Siegessäule die ehemalige Seenotretterin und jetzige Klimaaktivistin Carola Rackete auf. Sie warf der Bundesregierung zögerliches Handeln vor. "Es ist mehr als Zeit, dass die Regierung die Wahrheit sagt und den ökologischen Notstand ausruft", forderte Rackete. "Wir befinden uns in einer existenziellen weltweiten Krise, die sich immer schneller verstärkt." Sie sei froh, dass sich Extinction Rebellion dazu entschlossen habe, "die ganze Woche hier zu bleiben, um Berlin Tag und Nacht zu blockieren". Am Nachmittag verhandelte die Polizei mit den Aktivisten, um wenigstens einen Teil der Straßen des Kreisverkehrs an der Siegessäule wieder freizubekommen. 

Die Aktivisten bekundeten im Gespräch mit Reportern, die Blockaden so lang wie möglich aufrechtzuerhalten. Die Polizei leitete den Verkehr um die Knotenpunkte herum.

Berlin - Extinction Rebellion startet Protestwoche Hunderte Klimaaktivisten haben in Berlin den Großen Stern blockiert. Mindestens eine Woche lang will Extinction Rebellion Verkehrsknotenpunkte der Hauptstadt besetzen. © Foto: Christian Mang/Reuters

Mit Straßenblockaden und anderen Protestaktionen will die Umweltschutzbewegung in dieser Woche in Großstädten überall auf der Welt auf den Klimawandel aufmerksam machen. Weitere Aktionen gab es unter anderem in London, Paris, Madrid, Amsterdam, New York, Buenos Aires sowie in Sydney, Melbourne und Perth.

"Wir setzen die Proteste fort, bis die Regierungen angemessen reagieren"

Berlins Innensenator Andreas Geisel kündigte an. dass die Polizei "mit Augenmaß" mit Extinction Rebellion umgehen wolle. Blockaden könne man durchaus als spontane Demonstrationen werten, die nach Demonstrationsrecht zulässig seien. Man sei aber auch bereit, energischer vorzugehen, wenn etwa Gewalt angewendet werde oder kritische Infrastrukturen wie der Flughafen betroffen seien.

Extinction Rebellion - Klimaschützende blockieren in mehreren Hauptstädten Extinction Rebellion will eine Woche lang Straßen in London, Paris, Madrid und Berlin besetzen. In Deutschland kritisieren sie das Klimapaket der Bundesregierung. © Foto: Jonathan Brady

Extinction Rebellion (auf Deutsch etwa: Rebellion gegen das Aussterben) kommt ursprünglich aus Großbritannien. Nach eigenen Angaben gibt es die Gruppe seit November 2018 auch in Deutschland. Sie fordert unter anderem, dass die nationalen Regierungen sofort den Klimanotstand ausrufen. Alle politischen Entscheidungen, die der Bewältigung der Klimakrise entgegenstünden, müssten revidiert werden. Schon bis 2025 müssten die vom Menschen verursachten Treibhausgasemissionen auf netto null reduziert sein.

"Protest ja, Rebellion nein"

Kanzleramtschef Helge Braun hingegen kritisierte die Aktionen. Es sei in Ordnung, für mehr Klimaschutz zu demonstrieren, sagte Braun. "Aber wenn man gefährliche Angriffe in den Straßenverkehr ankündigt, das geht natürlich gar nicht."

Die SPD reagierte aufgeschlossen auf die Ankündigung der Proteste. "Ich verstehe die Ungeduld von vielen", sagte die kommissarische Parteivorsitzende Malu Dreyer. Sie begrüße Aktionen jeglicher Art, die die Dringlichkeit der Aufgabe deutlich machten. "Natürlich gilt für alle, dass es gewaltfrei bleiben muss."