Auch am Dienstag gehen in Berlin und in vielen anderen Metropolen auf der Welt die Proteste der Gruppe Extinction Rebellion weiter. Trotz einsetzenden Dauerregens hielten Aktivisten die Straße an der Berliner Siegessäule besetzt, dort hatten Demonstrierende die Nacht verbracht. Am Vormittag harrten die Menschen hier unter Plastikplanen und in Regenkleidung aus. Aber auch hier soll geräumt werden.

Kurz vor Mittag endete die Räumung des Potsdamer Platzes in Berlin. Die Polizei twitterte, die meisten Demonstrierenden wären der Aufforderung nachgekommen, die Straße zu räumen. Dort hatten rund 150 Menschen in der Nacht campiert. Einige hatten sich an die Blockaden angekettet, Feuerwehrleute mussten die Menschen von den sogenannten lock-ons lösen. Aktivistinnen und Aktivisten bedankten sich am Ende der Aktion bei der Berliner Polizei.

Extinction Rebellion will mit Aktionen sogenannten zivilen Ungehorsams den Druck auf Regierungen erhöhen, mehr gegen den Klimawandel zu tun. In mehreren anderen Ländern gingen die Anhänger der Bewegung auf die Straße. Menschen blockierten dabei Straßenkreuzungen und wichtige Verkehrsknotenpunkte, unter anderem in Amsterdam, London, Madrid, New York, Sydney und Wellington. Im australischen Brisbane etwa ketteten sich Teilnehmende an Kreuzungen fest. Ein Demonstrant, der an einem Gurt unter einer Brücke hing, wurde in Gewahrsam genommen. Mehr als 100 Protestierende demonstrierten als Bienen verkleidet in einem Park in Sydney, um auf die Bedrohung für Insekten aufmerksam zu machen. Angekündigt sind für die kommenden beiden Wochen Aktionen in gut 60 Städten. Auch in Berlin soll es weitere Aktionen geben – welche, soll spontan bekannt gegeben werden.

Boris Johnson beleidigt Demonstrierende in London

In London nahm die britische Polizei Hunderte Demonstrierende fest. Allein bis Montagabend sollen rund 280 Personen in Gewahrsam genommen worden sein, weil sie Straßen und Brücken blockiert hatten. Offizielle Angaben von Scotland Yard, wie viele XR-Anhänger und -Anhängerinnen sich in der britischen Hauptstadt aufhalten, gibt es nicht. Laut britischen Medien sollen sich aber gut 30.000 Menschen an den Aktionen beteiligen. Wie in Berlin übernachten viele in Zelten, aufgestellt sind sie in der Nähe des Parlaments. Premierminister Boris Johnson forderte die Demonstrierenden auf, mit den Blockaden in der Hauptstadt aufzuhören. Sie sollten mit ihren "nach Hanf riechenden Biwaks" die Hauptstadt verlassen, sagte der Regierungschef am Montagabend bei der Vorstellung einer Biografie der früheren Premierministerin Margaret Thatcher. Sicherheitsleute hätten ihn vor "unkooperativen Krustentieren" gewarnt, die die Straßen vermüllten.

Bereits im April sind bei weitgehend friedlichen Protesten mehr als 1.100 Anhänger und Anhängerinnen der Bewegung Extinction Rebellion in London festgenommen worden. Extinction Rebellion (auf Deutsch etwa: Rebellion gegen das Aussterben) kommt ursprünglich aus Großbritannien.

In Paris zelteten bis zu 300 Aktivistinnen und Aktivisten im strömenden Regen auf der Brücke Pont au Change in der Nähe der Kathedrale Notre-Dame und auf dem benachbarten Châtelet-Platz. Die Polizei ist nicht eingeschritten, als Aktivisten die Brücke blockierten, die auf die Seine-Insel Île de la Cité führt. In der französischen Hauptstadt sollen die Proteste am Mittwoch zu Ende gehen. Bereits am Wochenende haben Demonstrierende vorübergehend ein Pariser Einkaufszentrum besetzt.