Bei neuen regierungskritischen Protesten im Irak sind mindestens 42 Menschen getötet worden. Das teilte Ali al-Bajati, Mitglied der irakischen Menschenrechtskommission, mit. Zunächst war von 30 Toten die Rede. Mindestens acht Menschen starben demnach in Bagdad, als Sicherheitskräfte mit Tränengas gegen Demonstranten in der Nähe des Regierungsviertels vorgingen. Mehr als 2.300 Menschen wurden den Angaben zufolge verletzt.

In Bagdad hatten am Freitag Tausende Demonstranten versucht, in die besonders geschützte Grüne Zone zu gelangen. Dort liegen viele der Regierungsgebäude und Botschaften. Die Lage hatte sich am Samstag zunächst beruhigt. Auf dem zentralen Tahrir-Platz errichteten jedoch Hunderte Demonstrierende Zelte, um weiter zu protestieren.

Bei Protesten in mehreren Städten im Süden des Landes wurden mindestens 16 Menschen getötet, viele davon durch Schüsse. Demonstranten setzten Behördengebäude und Parteibüros in Brand. In mehreren Städten wurden Ausgangssperren verhängt.

Das spirituelle Oberhaupt der Schiiten im Irak, Ajatollah Ali al-Sistani, rief Demonstranten und Sicherheitskräfte beim Freitagsgebet zur "Zurückhaltung" auf, um ein Abgleiten ins "Chaos" zu vermeiden.

Gegen Korruption und Misswirtschaft

Bereits Anfang des Monats waren bei tagelangen Protesten in Bagdad und anderen Regionen des Landes fast 150 Zivilisten getötet worden. Mehr als 3.000 Menschen wurden verletzt, auch acht Einsatzkräfte kamen ums Leben. Von der Regierung beauftragte Ermittler stellten anschließend fest, die Einsatzkräfte hätten übermäßig Gewalt angewendet. In ihrem Bericht heißt es, die meisten der Opfer seien durch Schüsse in den Kopf oder in die Brust ums Leben gekommen.

Die Proteste richten sich unter anderem gegen Korruption und Misswirtschaft im Irak, wo jeder fünfte Bürger in Armut lebt und die Jugendarbeitslosigkeit nach Angaben der Weltbank bei rund 25 Prozent liegt. Zudem hat das Land mit den Nachwirkungen der Militärkampagne gegen die Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) zu kämpfen. Die Demonstranten fordern den Sturz der Regierung und die Auflösung des Parlaments. Ministerpräsident Adil Abd al-Mahdi beschuldigte hingegen seine politischen Gegner, seinen Reformplänen im Weg zu stehen. Abd al-Mahdi hatte das Amt vor einem Jahr übernommen.