Bei der Landtagswahl in Thüringen ist die Linke von Ministerpräsident Bodo Ramelow stärkste Kraft geworden. Laut dem vorläufigen Endergebnis nach Auszählung aller Wahlkreise hat sie 31 Prozent der Stimmen erhalten. Damit ist die Linke erstmals bei einer Wahl in einem Bundesland stärkste Partei geworden und erzielte zugleich ihr bislang bestes Ergebnis bei einer Landtagswahl. Bei der letzten Wahl in Thüringen 2014 war sie mit 28,2 Prozent noch hinter der CDU gelandet.

Die Christdemokraten mit Spitzenkandidat Mike Mohring erlebten einen heftigen Absturz um mehr als elf Prozentpunkte auf 21,8 Prozent. Damit erzielte die CDU nicht nur ihr historisch schlechtestes Ergebnis im Freistaat, sondern landete auch noch hinter der AfD von Spitzenkandidat Björn Höcke, die laut vorläufigem Ergebnis mit 23,4 Prozent der Stimmen rechnen kann und ihr Ergebnis von 2014 damit mehr als verdoppelte (10,6).  

Auch die SPD rutscht demnach nach 12,4 Prozent vor fünf Jahren auf einen historischen Tiefstand von 8,2 Prozent. Die Grünen liegen bei 5,2 Prozent (2014: 5,7). Die FDP hat mit 5,0005 Prozent knapp den Einzug in den Landtag geschafft, in dem sie zuletzt nicht vertreten war. Dabei waren nur wenige Stimmen ausschlaggebend. Die Wahlbeteiligung stieg deutlich: von 52,7 Prozent vor fünf Jahren auf rund 64,9 Prozent bei der diesjährigen Wahl.

Damit zeichnet sich die erwartet schwierige Regierungsbildung ab. Die bislang regierende rot-rot-grüne Regierung unter dem bundesweit einzigen linken Ministerpräsidenten Ramelow hätte nach jetzigem Stand keine Mehrheit mehr. Zudem blockieren sich die drei stärksten Parteien gegenseitig: Linke und CDU haben vor der Abstimmung mehrfach eine Zusammenarbeit mit der jeweils anderen Partei ausgeschlossen. Beide Parteien wollen erklärtermaßen nicht mit der AfD kooperieren.

CDU-Generalsekretär Paul Ziemiak bekräftigte am Wahlabend noch einmal die Position seiner Partei. "Unser Wort gilt nach den Wahlen genauso, wie wir es vor den Wahlen gesagt haben", sagte er: "Es wird keine Koalition der CDU mit der Linkspartei oder der AfD geben."

Laut vorläufigem Endergebnis dürfte der neue Landtag 90 Sitze haben. Die Linke kommt nach derzeitigem Stand auf 29 Sitze, die AfD auf 22, die CDU auf 21 Sitze. Die SPD könnte 8 Abgeordnete in den Landtag entsenden, Grüne und FDP lägen bei jeweils 5 Mandaten.

Bartsch: Klarer Regierungsauftrag für die Linke

Trotz des mutmaßlichen Verlustes der rot-rot-grünen Regierungsmehrheit wertete Wahlsieger Ramelow das Ergebnis als deutliche Bestätigung seiner Arbeit. "Ich sehe mich ganz klar bestätigt", sagte er: "Bei dem Zustimmungswert, den meine Partei bekommen hat, ist der Regierungsauftrag klar bei meiner Partei. Und ich werde diesen Auftrag auch annehmen." Wegen der guten Wahlbeteiligung sei er stolz auf das Land Thüringen. "Die Wahlbeteiligung ist seit Langem nicht mehr so hoch gewesen, deswegen ist es ein großer Tag für unser Parlament", sagte Ramelow.

Der Fraktionschef der Linken im Bundestag, Dietmar Bartsch, wertete das Ergebnis als historischen und sensationellen Sieg seiner Partei. "So ein Ergebnis haben wir uns kaum träumen lassen", sagte er im ZDF. Dies sei ein Verdienst Ramelows. "Es gibt einen klaren Regierungsauftrag, den wird Bodo Ramelow annehmen", betonte Bartsch.

SPD-Finanzminister Olaf Scholz sagte in der ARD, das Ergebnis sei "natürlich nicht schön" für seine Partei. Die Sozialdemokraten müssten nun ihre Verantwortung wahrnehmen und prüfen, was möglich sei und was nicht. Die AfD dürfe nicht an einer Regierungsbildung beteiligt werden, betonte er.

Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff (CDU) sprach von einem "bitteren Abend" für die CDU, "aber auch für die demokratische Mitte". Zum ersten Mal gebe es keine Mehrheit für die politische Mitte mehr in einem Bundesland. Das zeige, wie polarisiert die Lage in Thüringen sei, die politischen Ränder seien gestärkt, sagte Haseloff.

AfD-Spitzenkandidat Björn Höcke sagte vor Parteimitgliedern: "Die Thüringer haben heute die Wende 2.0 gewählt." Das Ergebnis sei ein klares Nein zur erstarrten Parteiendemokratie. "Wir wollen eine neue vitale Demokratie in Thüringen und in Deutschland", sagte Höcke.