Blickt man auf die thüringischen Wahlergebnisse auf Gemeindeebene, erscheint ein bildlich gesprochen rot-blau marmoriertes Farbmuster. Doch welches Rot aus der bisher in Erfurt regierenden rot-rot-grünen Koalition ist hier gemeint? Es ist eindeutig das Rot-Violett der Partei von Ministerpräsident Bodo Ramelow. Die Linke holte ihr bisher bestes Ergebnis bei einer bundesdeutschen Landtagswahl: 31 Prozent der Zweitstimmen wurden landesweit gewonnen. Das andere politische Rot der bisherigen Dreierkoalition sucht man auf dieser politischen Landkarte vergebens. Die SPD sackte auf den neuen Tiefstand von 8,2 Prozent ab. Das bedeutet für die Sozialdemokraten das zweitschlechteste Ergebnis bei einer Landtagswahl überhaupt.

Doch bleiben wir bei den Siegern: "Die Linke kann Volkspartei", schreibt Lisa Caspari in ihrer Wahlanalyse. Der Blick auf die regionalen Ergebnisse zeigt aber auch: Die Linke gewinnt die Städte. Nicht nur in den beiden Großstädten Erfurt und Jena war sie stärkste Kraft. Sie holte auch die meisten Zweitstimmen in den weiteren zehn einwohnerstärksten Städten des Landes. Das landesweit beste Ergebnis erzielte die Partei des amtierenden Ministerpräsidenten übrigens im Wintersportzentrum Oberhof mit 44,3 Prozent.

In städtisch geprägten Milieus sind es die Grünen eigentlich gewohnt zu punkten. Bei der Europawahl konnten sie immerhin in Jena mit 20,4 Prozent gewinnen. Doch diese Planungssicherheit war bei dieser Landtagswahl nicht vorhanden. Landesweit kamen die Grünen auf für sie enttäuschende 5,2 Prozent und zogen denkbar knapp in den Landtag ein. Einen Sieg in einer Stadt oder Gemeinde konnten sie diesmal nicht erringen (eines der besten Ergebnisse wurde in Jena mit 14,4 Prozent erreicht).

Die Kreise in der Animation zeigen, wie viele gültige Zweitstimmen insgesamt in den einzelnen Städten und Gemeinden abgegeben wurden und welche Partei dort gewonnen hat.

Die CDU, die zuvor seit 1990 stets die meisten Stimmen in Thüringen bekommen hatte, stürzte auf ihr schlechtestes Landesergebnis ab (minus 11,7 Prozent). Das zeigt auch die neue Farbenlehre der Wahlkarte. Es fällt als eine der letzten christdemokratischen Bastionen der Landkreis Eichsfeld im Nordwesten des Bundeslandes auf. Dort hatte die CDU bei der Europawahl mit 41,8 Prozent ihr mit Abstand bestes Ergebnis in Thüringen geholt. Diesen (regionalen) Erfolg konnten die Christdemokraten auch bei dieser Wahl zumindest wiederholen.

Doch in diesem verbliebenen Landkreis der Partei von Spitzenkandidat Mike Mohring fallen bereits ein paar blau eingefärbte Gemeinden auf. Eine davon ist Bornhagen (Verwaltungsgemeinschaft Hanstein-Rusteberg). In diesem Örtchen mit etwas mehr als 300 Einwohnern lebt AfD-Spitzenkandidat Björn Höcke. Seine Partei holte hier 36 Prozent der Stimmen. Landesweit überholte die AfD die CDU und wurde mit 23,4 Prozent zweitstärkste politische Kraft. Die Dimension dieser politischen Verschiebung zeigen auch die vielen blau gefärbten Gemeinden auf der Karte. In 248 von 664 Gemeinden wurden die Rechtspopulisten als stärkste Kraft gewählt. Um zu verstehen, wie das politische Klima in solchen stark AfD-geprägten Gemeinden ist, wird das Ziel einiger Reporter nach dieser Wahl wohl das 100-Einwohner-Örtchen Paska im Saale-Orla-Kreis sein. Hier holte die Höcke-Partei mit 62,7 Prozent den höchsten Zweitstimmenanteil.