Zehn Tage vor der Landtagswahl in Thüringen ist fraglich, ob die rot-rot-grüne Regierungskoalition ihre Mehrheit behält. Laut dem ZDF-Politbarometer-Extra würde es aktuell für eine Fortsetzung des Bündnisses nicht reichen. Demnach liegt die Linke mit 27 Prozent zwar weiterhin vorn, allerdings nur knapp vor der CDU mit 26 Prozent.

Die SPD kommt in der Erhebung der Forschungsgruppe Wahlen auf neun Prozent, die Grünen auf acht Prozent. Das würde für die Fortsetzung von Rot-Rot-Grün nicht reichen. Allerdings hätte auch ein Bündnis aus CDU, SPD und Grünen keine Mehrheit.

Die AfD kommt in der neuen Erhebung auf 20 Prozent, deutlich unter ihren Werten in anderen Umfragen im August und September. Die FDP liegt bei fünf Prozent – damit ist offen, ob ihr der Einzug in den Landtag gelingt. Aktuell sind die Liberalen dort nicht vertreten. Sonstige Parteien kommen in der ZDF-Umfrage zusammen auf fünf Prozent.

Fast 40 Prozent noch unsicher

Der Sender wies darauf hin, dass sich bis zum Wahltag am 27. Oktober noch viel tun könne. 38 Prozent der Befragten wissen demnach noch nicht sicher, wem sie ihre Stimme geben sollen oder ob sie überhaupt wählen werden.

Ministerpräsident Bodo Ramelow (Linke) regiert Thüringen seit 2014. Seine Zustimmungswerte sind gut: Im ZDF-Politbarometer-Extra ist er der beliebteste Politiker des Landes, gefolgt von SPD-Landeschef und Wirtschaftsminister Wolfgang Tiefensee und dem Vorsitzenden der Thüringer CDU, Mike Mohring.

Bei der Frage, wen die Umfrageteilnehmer gern als Ministerpräsidenten hätten, sprachen sich den Angaben zufolge 50 Prozent für Ramelow aus, 31 Prozent bevorzugen Mohring. Gegenüber dem Spitzenkandidaten der AfD, Björn Höcke, lag Ramelow sogar mit 76 Prozent zu 6 Prozent vorn.

Für das ZDF-Politbarometer-Extra hatte die Forschungsgruppe Wahlen von Montag bis Mittwoch dieser Woche 1.004 Wahlberechtigte telefonisch befragt. Der Fehlerbereich wurde mit drei Prozentpunkten bei einem Anteilswert von 40 Prozent und zwei Prozentpunkten bei einem Anteilswert von zehn Prozent angegeben.

Über die Unsicherheiten von Umfragen

Repräsentative Umfragen unterliegen immer Fehlern. Man kann davon ausgehen, dass der tatsächliche Wert mit hoher Wahrscheinlichkeit in einem Bereich von einem bis drei Prozentpunkten über oder unter den letztlich angegebenen Messwerten liegt. Den Korridor dieses statistischen Fehlers zeigen wir ab sofort in unseren Grafiken zu Wahlumfragen.

Die Ergebnisse basieren immer auf Stichprobenbefragungen. Diese decken in der Regel nur spezielle Teile der Bevölkerung ab (zum Beispiel Menschen mit Festnetz-Telefonanschluss oder Internetnutzer). Einige potenzielle Teilnehmer sind ablehnend und wollen erst gar nicht befragt werden. Fragen werden mitunter auch falsch verstanden und nicht immer aufrichtig beantwortet. Zum Beispiel auch in Reaktion auf vorangegangene Umfragen. Um jedoch ein allgemeines Meinungsbild über alle Bevölkerungsgruppen hinweg zu berechnen, müssen die Demoskopen fehlende Messwerte und vermutete Ungenauigkeiten ausgleichen und die vorliegenden Zahlen neu gewichten. Diese (in der Regel nicht transparenten) Formeln unterscheiden sich in den Instituten und führen daher zu unterschiedlichen Aussagen.

Umfragewerte sind immer Momentaufnahmen. Mehr als eine grobe Tendenz für ein Meinungsbild lässt sich daraus nicht ableiten. Selbst wenn die Aussagen und Berechnungen zum Veröffentlichungszeitpunkt der Umfrage nahe an der Realität liegen, ist immer noch offen, ob die damals befragten Wähler zum Beispiel später tatsächlich ihre Stimme abgeben oder sich kurzfristig umentscheiden.

Weitere Hintergründe über unseren Umgang mit Wahlumfragen finden Sie in unserem Transparenzblog Glashaus.

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